Tanz

Der Zauber knackender Gelenke – Kollektiv Bufo Makmal im Roxy

Stille muss man aushalten – und in «Wishbone» dauert sie an.

Stille muss man aushalten – und in «Wishbone» dauert sie an.

Das junge Kollektiv Bufo Makmal zeigt mit dem Stück «Wishbone» im Roxy wie aufwühlend Stille sein kann.

Meist unterlässt ein Publikum das Geraschel und Genuschel vor Vorstellungsbeginn ja erst, wenn das Saallicht aus ist. Bei der Tanzperformance «Wishbone» vom Kollektiv Bufo Makmal ist das Licht noch an. Trotzdem wird es still im Raum. Alleine die Präsenz einer still verharrenden Tänzerin beruhigt die Premierenbesucher. Stille muss man aushalten – und in «Wishbone» dauert sie an.

Die Stille ist komponiert

Auch als die Tänzerinnen Margarita Kennedy, Clea Onori und Rosie Terry Toogood bereits alle in sachte forschender Bewegung auf der Bühne sind, hört man noch jeden einzelnen Schritt auf dem Tanzboden – sogar das Knacken von Gelenken. Danach bringt sich ein Körper so stark in Vibration, wie das bei festem Stand möglich ist, geräuschlos. Die Stille ist an diesem Abend komponiert.

Seit ihren Anfängen sind Bufo Makmal mit dem Roxy Theater Birsfelden eng verbunden: Bereits 2014 zeigten die jungen Künstlerinnen dort eine Arbeit im Kurzstück-Format «Mixed Pickles». Bis 2018 haben sie nicht nur Tournee-Erfahrung in der ganzen Schweiz gesammelt, sondern werden auch von Pro Helvetia im Rahmen des Choreografen-Förderprogramms «YAA! - Young Associated Artist» unterstützt.

«Wishbone» ist eine Rückkehr und trotzdem eine Forschungsreise: in den Kosmos namens Körper. Als Wishbone bezeichnet man im englischen Raum jenen Hühnerknochen, der nie in zwei gleich grosse Stücke bricht. Bei Bufo Makmal geht es um das Ungleiche – in den eigenen Knochen, im Verhältnis zueinander, im Zusammenspiel von Raum, Klang und Körper.

Die Lichtkegel, die scheinbar unabhängig vom Bühnengeschehen erscheinen und verschwinden, sind Teil dieses physischen Exkurses. Ebenso das anfangs abwesende, erst langsam wahrnehmbare Klangbeet: Als erstes ertönt ein Surren, bald metallenes Hämmern, dann Glocken – oder sind es doch die Geräusche einer klingenden Kasse?

Einstündige Performance

Im letzten Drittel bringt Stille den Anfang des Abends nochmals zurück. Die abwesenden Klänge sind nun einfacher aushaltbar, denn die Tänzerinnen in ihren ausladenden weissen Kostümen bilden in hoher Geschwindigkeit Knäuel und entzweien sich wieder.

Einzelne Erschöpfungsgeräusche werden hörbar – sind sie bewusst eingesetzt? Für die intensive Zuschauererfahrung ist das irrelevant. Die Komposition überzeugt auch so. Schon übernehmen wieder eingespielte Klänge, jetzt erinnern sie an vorbeifahrende Autos.

Einzig der riesige umgedrehte Schirm, unter dem die Tänzerinnen sowohl Ruhe als auch Anstrengung erlebbar machen, bleibt während der knapp einstündigen Performance konstant.

Am Ende setzt der Bass ein: Ein körperloses Brummen dominiert den wieder verdunkelten Saal. Nochmals Stille! Aber nur kurz, denn sofort durchbricht sie ein erster Klatscher. Dann klatschen alle begeistert, begeistert auch von den Ruhemomenten.

Wishbone Roxy, Birsfelden. Täglich bis 28. Januar. www.theater-roxy.ch

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