Die beiden sehen sich äusserlich wenig ähnlich: der robuste, fast bäurisch wirkende Pablo Picasso und sein gleichaltriger Freund Jaume Sabartés mit seiner schmalen Statur und den feinen Gesichtszügen samt Brille. Kennen gelernt hatten sie sich mit 18 Jahren 1899 in Barcelona, wo sie an der Kunstakademie studierten und im Künstlercafé «Els Quatre Gats» verkehrten.

Bald malte Picasso den Freund ein erstes Mal. Die beiden zogen nach Paris. Auch wenn Sabartés später zeitweise in Südamerika lebte, verband die beiden eine lebenslange, herzliche Freundschaft. Ihnen ist derzeit eine Ausstellung in der Fondation Fernet-Branca in St-Louis gewidmet.

Sabartés, der Bewunderer und Biograf

Sabartés, einer der engsten Freunde Picassos überhaupt, liess sich zum Bildhauer ausbilden und war darauf ein eher erfolgloser Schriftsteller, Journalist, Lehrer und Intellektueller. Fast 70 Jahre dauerte die Beziehung zwischen den beiden.

Um sich nicht aus den Augen zu verlieren, schickten sie sich Hunderte von Briefen. Und wenn sie sich trafen, porträtierte der Maler seinen treuen Bewunderer, stellte ihn oft auch in humorvollen Karikaturen als Faun, Satyr und dekadenten Poeten dar. Dieser verfasste lobende Schriften über den verehrten Meister, darunter eine Biografie mit dem Titel «Toreros».

Die Männerfreundschaft hatte auch berufliche Folgen: Picasso stellte Sabartés in Paris während über 30 Jahren bis zu dessen Tod 1968 als Privatsekretär an. «Von diesem Tag an richtet sich mein Leben nach dem seinen», notierte dieser. Er verhandelte fortan mit Galeristen und Käufern, produzierte gemeinsam mit Picasso Künstlerbücher, erledigte für ihn Organisatorisches – und bekam dabei manches persönliche, familiäre und finanzielle Problem des Künstlers von nahem mit.

Gründer des Museums in Barcelona

Picasso war für diese Dienste dankbar und schenkte dem Freund immer wieder Werke, darunter zahlreiche Zeichnungen, Lithografien und Radierungen, aber auch grössere Gemälde. Für die anwachsende Kollektion gründete Sabartés 1963 das Picasso-Museum in Barcelona – ein schwieriges Vorhaben, da Picasso offen gegen die damalige Franco-Diktatur eintrat.

Die Sammlung von Druckgrafiken wurde nach dem Tod Sabartés’ vom Künstler laufend ergänzt und gilt heute als die wichtigste und vollständigste. «Picasso soll jeweils von den ersten Abzügen eines Drucks immer ein Blatt für seinen Freund beiseitegelegt haben», sagt Pierre-Jean Sugier, Direktor der Fondation Fernet-Branca, die in der Regel zeitgenössische Kunst präsentiert. In Zusammenarbeit mit dem Picasso-Museum in Barcelona und dank Beziehungen konnte er eine Auswahl von Druckgrafiken und einige Fotos aus unterschiedlichen Werkphasen zusammenstellen. Das Besondere dabei: Alle Arbeiten tragen eine persönliche Widmung Picassos an den Freund.

Dabei war das Verhältnis zwischen den beiden nicht unbedingt einseitig. Sabartés habe als Sekretär Ordnung in das Leben des Künstlers gebracht, sagt Sugier. Umgekehrt müsse Picasso den Austausch und das Gespräch mit dem Vertrauten aus früheren Jahren sehr geschätzt haben. Die Ausstellung in St-Louis sei denn auch als eine Hommage an das Freundespaar zu verstehen, aber nicht nur: «Bei den Grafiken können wir auch sehr gute Einblicke in die Arbeitsweise Picassos gewinnen.»

Vieles bleibt leider im Halbdunkel

Die rund achtzig ausgewählten Zeichnungen, Lithografien und Radierungen zeigen Themen, die Picasso vor allem im Spätwerk beschäftigten: die Mythologie, seine Frauen, Stillleben, Tiere, der Zirkus, Atelierszenen. Hier lasse sich nachverfolgen, so Sugier, wie der Künstler dasselbe Motiv immer wieder anders anging: «Er nahm dabei stets neue Anläufe, betonte einmal dieses und einmal jenes Detail, variierte die Formen und experimentierte mit verschiedenen Techniken.» Besonders sichtbar wird das in den Porträts der Gefährtinnen Françoise und Jacqueline, ebenso bei Picassos zentralem Altersmotiv «Maler und Modell» – das meist weiblich war.

Picassos grafische Arbeiten, oft in Schwarz-Weiss und als Vorstufen zu grösseren Werken gedacht, erhalten ihren eigenen, angemessenen Auftritt. Die grosszügigen Räume im ersten Stock der ehemaligen Likör-Brennerei bieten genug Luft für die Originale.

Etwas störend ist aber, dass hier das natürliche Licht allzu spärlich durch die geschlossenen Fensterläden fällt. Eine der Auflagen des Leihgebers in Barcelona war nämlich, die lichtempfindlichen Papierarbeiten möglichst zu schonen, wie der Direktor bedauernd erklärt.

Von Picasso zu Sabartés: Bis 15. September, Fondation Fernet-Branca, St-Louis.