Kunst
Der Maler liebt die Technik, die Betrachterin den Inhalt

Albträume lassen sich erzählen oder malen. Matthias Wyss macht das meisterhaft, aber das ist gar nicht sein Ziel. Die Bilder des jungen Solothurner Künstlers sind im Aargauer Kunsthaus zu sehen

Sabine Altorfer
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«Alpaufzug» nennt Matthias Wyss sein unheimliches Bild. Es erinnert an mittelalterliche Malerei.

«Alpaufzug» nennt Matthias Wyss sein unheimliches Bild. Es erinnert an mittelalterliche Malerei.

Aargauer Kunsthaus

Achtung neu! Eigentlich müsste das Kunsthaus diese Warnung neben den Bildern von Matthias Wyss platzieren. Denn was der 29-Jährige zeichnet und malt, wirkt altmeisterlich. Seine Wimmelbilder erzählen von Weltuntergang, von Abschlachtereien, von Grausamkeiten. Es sind Albträume, wie man sie niemandem wünschen möchte. Das Gewimmel von Menschen, seltsamen Insekten, Fratzenwesen erinnert an Gemälde alter Meister wie Hieronymus Bosch oder Pieter Brueghel.

Und doch: Wer genau hinschaut, erkennt ein Auto oder einen Eisenbahnzug durch leuchtende Wolken sausen oder eine Figur, die im grössten Durcheinander ruhig die Zeitung liest.

Jetzt ist Zeit für Malerei

Doch erstaunlich ist: Der junge, in Solothurn geborene Künstler redet nicht gerne über diese Inhalte. Lieber über seine Technik. Wie er nach der Schule für Gestaltung in Bern gezeichnet habe, wie er das Dunkel und Plastische perfektioniert habe, bis er fand: «Jetzt ist Zeit für Farbe, für Malerei.» Das inhaltliche Gewimmel hat er beim Wechsel der Technik mitgenommen. «Diese Dinge schleichen sich einfach ein», sagt Wyss.

Aber er arbeite vor allem an der Technik, am Prinzip der Malerei. Seine Bilder baut er ohne Skizzen, er fügt Elemente, Figuren ein, sucht sie malerisch zu verbinden, übermalt, lotet aus, wie viel Schärfe, wie viel Detailangaben es braucht – und erträgt.

Man stellt sich vor, dass der junge Künstler beim Malen Spass hat an dem, was hier aus seiner Fantasie, aus seiner Erinnerung entsteht. Doch wieder wehrt er ab. Nein, er male nicht aus diesem Maler-Rausch, nicht aus Mal-Lust, sondern ihn interessiere, wie man male, wie eine Komposition entstehe. Nach dieser Aussage haben wir nicht mehr zu fragen gewagt, ob es ihn denn störe, wenn die Betrachter der Faszination dieser Fabelwelt und Fantasie erliegen.

Matthias Wyss «Caravan – Serie für junge Kunst». Aargauer Kunsthaus, bis 21. April. Künstlergespräch: Do 20. April, 18.30 Uhr.

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