Preisträger

Der Literatur-Nobelpreis bringt viel Geld und Ruhm. Und langfristig?

Mo Yan empfängt 2012 den Literatur-Nobelpreis.

Mo Yan empfängt 2012 den Literatur-Nobelpreis.

Die Wettbüros tippen auf den Japaner Haruki Murakami - aber die Schwedische Akademie wird die Welt am Donnerstag mit ihrer Wahl wohl wieder verblüffen. Doch was hat der Ruhm eigentlich den bisherigen Preisträgern gebracht?

Jetzt ists klar: Am Donnerstag um 13 Uhr verkündet die Schwedische Akademie den Gewinner, die Gewinnerin des diesjährigen Literaturnobelpreises. Der Termin wurde erst heute Montag bekannt gegeben. Warum das Komitee immer ein solches Geheimnis um das Verkündigungs-Datum macht, versteht eigentlich niemand. Denn immer ists ein Donnerstag im Oktober – und eigentlich fast immer der Donnerstag während der Buchmesse.

Nun wissen wir also wann – aber nicht wer? Darüber wird immer fleissig gerätselt und gewettet. Und das ist doch meist ein anderer. Der Japaner Haruki Murakami etwa ist seit Jahren einer der Wettbüro-Spitzenkandidaten. Ebenso wenig die alten Männer der US-amerikanischen Erzählliteratur. Von 210 Nominationen hat man im Vorfeld gehört, darunter 36 Namen.

Doch wir wissen, die Jury hält normalerweise dicht – und meist überrascht sie uns. Mit der kanadischen Erzählerin Alice Munro jedenfalls hat letztes Jahr niemand gerechnet, mit dem schwedischen Lyriker Tomas Tranströmer vor drei Jahren auch nur ein paar skandinavische Insider.

Die Prognosen

Elise Karlsson, Kulturredaktorin beim "Svenska Dagbladet" und eine der flessigen Kaffeesatz-Leserinnen, findet, Afrika wäre mal wieder an der Reihe. Und sie nennt den Kenianer Ngugi Wa Thiong'o. Tatsächlich sind mit Nadine Gordimer und J.M. Coetzzee 1991, bzw. 2003 zwei Schreibende aus Südafrika ausgezeichnet worden, mit dem Nigerianer Wole Soyinka 1986 aber der bisher ein einziger Vertreter Schwarz-Afrikas.

Hoch gehandelt wird dieses Jahr die Weissrussin Swetlana Alexijewitsch. Sie hat mit ihren literarischen Reportagen und Collagen über «Soldatinnen ohne Gesicht» oder Menschen nach Tschernobyl enorm viel Courage bewiesen – 2013 bekam sie den Friedenspreis des deutschen Buchhandels. Die Autorin, die trotz Schreibverboten und Abhörattacken der weissrussischen Machthaber immer wieder nach Minsk zurückkehrt, die zudem eine ukrainische Mutter hat, wäre die richtige – wenn denn die Jury wieder mal ein politisches Zeichen setzen will. Was sie nicht ungern macht: Erinnert sei an Orhan Pamuk (2006), Herta Müller (2009) oder Mario Vargas Llosa (2010).

Was aber bringt der Nobelpreis den Autorinnen und Autoren? Viel Geld (8 Millionen Schwedische Kronen, etwa 1 Million Schweizer Franken) und enorme Aufmerksamkeit - mindestens für den Moment. Und langfristig? Das ist enorm unterschiedlich – je nach Weltgegend, Werk und ob die Preisträgerin oder der Preisträger ein stiller Schaffer oder eben auch eine kulturelle oder politische Stimme ist und sein will.

Die Nobelpreisträger der letzten zehn Jahre und was der Preist bewirkt hat:

Mit ihren Kurzgeschichten war die Kanadierin (Jahrgang 1931) vor allem Insidern und sehr eifrigen Leseratten ein Begriff. Die Aufmerksamkeit durch den Nobelpreis dürfte ihre Leserschaft und ihren Fankreis – zumindest im Moment - vergrössert haben.

2013 Alice Munro

Mit ihren Kurzgeschichten war die Kanadierin (Jahrgang 1931) vor allem Insidern und sehr eifrigen Leseratten ein Begriff. Die Aufmerksamkeit durch den Nobelpreis dürfte ihre Leserschaft und ihren Fankreis – zumindest im Moment - vergrössert haben.

Die Vergabe an den regimetreuen chinesischen Autor (Jahrgang 1955) löste eine Debatte aus: Für Dissidenten war es ein Affront für Literaturkenner eher eine Überraschung. Trotzdem Mo würde danach fleissiger übersetzt, sein 2013 erschienenes Buch "Frösche" stiess auf grosse Resoananz und den Namen  kennt man nun.

2012 Mo Yan

Die Vergabe an den regimetreuen chinesischen Autor (Jahrgang 1955) löste eine Debatte aus: Für Dissidenten war es ein Affront für Literaturkenner eher eine Überraschung. Trotzdem Mo würde danach fleissiger übersetzt, sein 2013 erschienenes Buch "Frösche" stiess auf grosse Resoananz und den Namen  kennt man nun.

Mit dem schwedischen Lyriker (Jahrgang 1931) überraschte das Nobel-Preis-Jury die internationale Literaturkritik. Allerdings gehörte Tranströmer schon vor dem Preis zu den gut übersetzten Lyrikern – auch auf deutsch war seine gesamtes Werk erschienen. Bekannter oder populärer wurde er danach aber nicht wirklich.

2011 Tomas Tranströmer

Mit dem schwedischen Lyriker (Jahrgang 1931) überraschte das Nobel-Preis-Jury die internationale Literaturkritik. Allerdings gehörte Tranströmer schon vor dem Preis zu den gut übersetzten Lyrikern – auch auf deutsch war seine gesamtes Werk erschienen. Bekannter oder populärer wurde er danach aber nicht wirklich.

„Für seine Kartographie der Machtstrukturen und scharfkantigen Bilder individuellen Widerstands, des Aufruhrs und der Niederlage“, wurden dem peruanisch-spanischen Autor der Nobelpreis verliehen. Der 1936 Geborene ist nicht nur einer der grossen Erzähler des südamerikanischen Kontinents, sondern seine Stimme hat auch politisches Gewicht – mit dem Nobelpreis ist es noch gewachsen. Ob die Ernennung in den Adelsstand 2011 durch den spanischen König eine Folge des Preises war?

2010 Mario Vargas Llosa

„Für seine Kartographie der Machtstrukturen und scharfkantigen Bilder individuellen Widerstands, des Aufruhrs und der Niederlage“, wurden dem peruanisch-spanischen Autor der Nobelpreis verliehen. Der 1936 Geborene ist nicht nur einer der grossen Erzähler des südamerikanischen Kontinents, sondern seine Stimme hat auch politisches Gewicht – mit dem Nobelpreis ist es noch gewachsen. Ob die Ernennung in den Adelsstand 2011 durch den spanischen König eine Folge des Preises war?

Ihre Kindheit in Rumänien, ihr Aufbegehren und ihre Anklage gegen den Sozialismus sind die Fäden, die Herta Müllers Bücher durchziehen. Schon vor dem Nobelpreis hatte die in Deutschland lebende Autorin grosse Resonanz, der Preis verstärkte sie im deutschsprachigen Raum nachhaltig.

2009 Herta Müller

Ihre Kindheit in Rumänien, ihr Aufbegehren und ihre Anklage gegen den Sozialismus sind die Fäden, die Herta Müllers Bücher durchziehen. Schon vor dem Nobelpreis hatte die in Deutschland lebende Autorin grosse Resonanz, der Preis verstärkte sie im deutschsprachigen Raum nachhaltig.

Wer ist denn das ?, fragte sich die literarische Welt. Einzig die Franzosen jubelten. Einige seine Romane wurden seither auf Deutsch übersetzt – aber eigentlich ist der Preisträger vom literarischen Radar wieder verschwunden.

2008 Jean-Marie Gustave Le Clézio

Wer ist denn das ?, fragte sich die literarische Welt. Einzig die Franzosen jubelten. Einige seine Romane wurden seither auf Deutsch übersetzt – aber eigentlich ist der Preisträger vom literarischen Radar wieder verschwunden.

Sie war bereits 88 als sie den Literatur-Nobelpreis erhielt. Ihre Bekanntheit vermochte der Preis bis zu ihrem Tod 2013 kaum mehr weiter zu steigern. Musste er auch nicht. Lessing war längst unter den Klassikern angekommen.

2007 Doris Lessing

Sie war bereits 88 als sie den Literatur-Nobelpreis erhielt. Ihre Bekanntheit vermochte der Preis bis zu ihrem Tod 2013 kaum mehr weiter zu steigern. Musste er auch nicht. Lessing war längst unter den Klassikern angekommen.

War die Preisvergabe an den grossen türkischen Schriftsteller, dem Menschenrechts-Aktivisten und scharfen Beobachter der türkischen Politik gewidmet? Wohl auch. Denn Pamuk gehört zu den engagierten, der das Wort ergreift, kommentiert – Morddrohungen und Anklagen sind das Resultat, der preis vermochte hier Support zu leisten. Aber nicht vergessen: seine Romane – vom „Das neue Leben“ über „Schnee“ bis zu „Der Koffer meines Vaters“ sind grosse Literatur.

2006 Orhan Pamuk

War die Preisvergabe an den grossen türkischen Schriftsteller, dem Menschenrechts-Aktivisten und scharfen Beobachter der türkischen Politik gewidmet? Wohl auch. Denn Pamuk gehört zu den engagierten, der das Wort ergreift, kommentiert – Morddrohungen und Anklagen sind das Resultat, der preis vermochte hier Support zu leisten. Aber nicht vergessen: seine Romane – vom „Das neue Leben“ über „Schnee“ bis zu „Der Koffer meines Vaters“ sind grosse Literatur.

Der grosse englische Dramatiker erhielt den Preis, als er bereits unheilbar an Krebs erkrankt war. Die Auszeichnung führte mindestens kurzfristig zu einem Revival seiner Stücke.

2005 Harold Pinter

Der grosse englische Dramatiker erhielt den Preis, als er bereits unheilbar an Krebs erkrankt war. Die Auszeichnung führte mindestens kurzfristig zu einem Revival seiner Stücke.

Umstritten war die österreichische Autorin vor dem Nobelpreis und ist sie heute noch. Aber ihre Stimme, ihre schneidende Gesellschaftskritik scheint seit dem Nobelpreis ernster genommen zu werden und steht der Name Jelinek auf dem Spielplan eines Theaters ist ihm Aufmerksamkeit gewiss.

2004 Elfriede Jelinek

Umstritten war die österreichische Autorin vor dem Nobelpreis und ist sie heute noch. Aber ihre Stimme, ihre schneidende Gesellschaftskritik scheint seit dem Nobelpreis ernster genommen zu werden und steht der Name Jelinek auf dem Spielplan eines Theaters ist ihm Aufmerksamkeit gewiss.

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