Kunst

Das Vermittlungsprojekt «Looping Journey» schickt drei Chöre auf die Reise

Improvisation steht im Zentrum.

Drei Basler Chöre gehen gemeinsam auf eine «Looping Journey». Begleitet werden Sie dabei von drei bekannten Schweizer StimmperformerInnen. Die Reise beginnt im Kunstmuseum Basel und endet im Gare du Nord.

Welche Noten sollen wir mitbringen? Diese Frage haben die Leiterinnen und Leiter der Chöre oft gehört. Die Antwort ist so simpel wie ungewohnt: keine. «Improvisation bedeutet loslassen», erklärt Vokalakrobat Christian Zehnder und meint nicht nur das Loslassen von den Noten. Drei Chöre begeben sich in dem Projekt «Looping Journey» auf die Reise: der Chor bâlcanto, die Jugendchöre Vivo & ATempo der Musikschule Basel und der Chor Kultur und Volk. Am Ende des Projekts, in über einem Jahr, soll ein Konzert im Gare du Nord mit neuen Werken für diese drei Chöre stehen.

Bis dahin wird an verschiedenen öffentlichen Orten geprobt und Inspiration gesammelt. Am vergangenen Donnerstag haben die Sänger in einer öffentlichen Probe den gesamten Neubau des Kunstmuseums in Klang getaucht. Mit endlosen Glissandi schritten sie zuerst nach oben, improvisierten dann in Gruppen vor einzelnen Bildern, um anschliessend in einer Kette vom zweiten Obergeschoss bis hinunter in das Untergeschoss eine Klang-Stafette zu bilden. «Die Herausforderung ist, sich zu trauen aus der Gruppe herauszutreten,» bemerkt eine Sängerin und eine andere findet: «Die Jungen haben es einfacher, sie sind spontaner.» Und tatsächlich überraschen gerade sie mit mutigen Einfällen.

Zwischen den Objekten der aktuellen Ausstellung «Basel Short Stories» liegen sie plötzlich am Boden – wie die Figuren an der Wand. Im nächsten Raum hüpfen sie singend vor einem Bild immer wieder aus der Reihe, als würden sie einer Choreografie folgen und setzen damit das grafische Werk direkt in Musik um.

Lebendiges Museum

So ist das Projekt eine Begegnung der unterschiedlichen Chöre, Traditionen und Generationen. Gut, dass die Improvisation so flexibel ist. «Jeder hat eine andere Vorstellung, jeder nimmt sich selbst anders wahr. Das Ziel ist, die Choristen an den Punkt zu führen, dass Improvisation einfach passiert,» erklärt Zehnder weiter. Wie er betreuen noch Jeannine Hirzel und Andreas Schaerer je einen Chor auf der Reise.

Die stimmlichen Erfahrungen im Neubau sind vor allem von der halligen Akustik geprägt. Die glatten Marmoroberflächen lassen jeden Klang abprallen, jedes kleinste Geräusch wird übermässig verstärkt. Auch deshalb muss man sich erst mal trauen.

Dann ist da noch die Altehrwürdigkeit der Institution. Statt stiller, bedächtiger Betrachtung, ist der eigene, kreative Ausdruckswille gefragt, statt eloquenter Bildinterpretation, die eigene Fantasie. So ist es auch ein Loslassen von den üblichen Hochkulturtempel-Normen, das hier geprobt wird. Falsche Töne gibt es keine – ausser vielleicht das Alarmpiepen, das immer wieder ertönt, wenn jemand zu nah an eines der Bilder herantritt oder die überraschten Blicke der anderen Ausstellungsbesucher, die zufällig in diese offene Probe geraten sind. Das Museum als lebendiger Ort, Neue Musik-Klänge als Ausdrucksmittel für jedermann, das ist noch ungewohnt.

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