Basel
Das Ende einer Party-Ära

Sieben Jahre lang lockte Soulsugar jeden Donnerstag hunderte Hip Hop-Fans in die Basler Kuppel. Nun geht die «Seelenzucker»-Nacht in die Pension.

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Kuppel

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Zur Verfügung gestellt

Tara Hill

Eine ganze Generation von Clubgängern wurde mit der wohl bekanntesten Hip-Hop-Clubnacht der Stadt gross. Das Aus kam nüchtern und knapp formuliert: «Nach sieben Jahren verabschiedet sich Soulsugar im Dezember aus dem Kuppelzelt - mit einem weinenden und einem lachende Auge», hiess es Mitte Monat im Newsletter der Kuppel. Der kurzfristige Entscheid überraschte, kam aber nicht völlig unerwartet: Schon seit Wochen machten Gerüchte die Runde, die legendäre Hip Hop-Nacht laufe nicht mehr so gut wie früher. Dies mag Kuppel-Leiterin Steffi Klär so nicht bestätigen: «Wir haben frühzeitig die Zeichen der Zeit erkannt. Wir hätten auch noch ein halbes oder ganzes Jahr weitermachen können, aber wir wollten nicht, dass sich ein so starkes Label langsam totläuft.» Es sei ein schwieriger Entscheid für die Kuppel-Leitung gewesen, der aber bei allen Beteiligten auf Verständnis gestossen sei: «Schliesslich ist es auch für die Veranstalter und DJs ein Unterschied, ob über 400 oder noch 150 Leute tanzen.»

Die sinkenden Besucherzahlen hätten nichts mit dem nach wie vor qualitativ hochstehenden Programm zu tun, ist Klär überzeugt. Sie sieht den Grund vielmehr in der überdurchschnittlich langen Laufzeit der Partyreihe, Veränderungen im Bereich Hip Hop und in der Vielzahl von «Studentenpartys», welche seit einiger Zeit ebenfalls am Donnerstagabend stattfinden - und im Gegensatz zur Kuppel, die zehn Franken verlangte, keinen Eintritt kosten. «Ich möchte aber nicht jammern. Es ist sicher so, dass der Ausgang am Donnerstag sich verändert hat», stellt Klär fest: «Früher war die Kuppel der Treffpunkt schlechthin, heute verlagert sich das Geschehen auf mehrere Standorte.»

Dies bestätigt auch Partyveranstalter Nic Plésel, der 2008 das Soulsugar-Booking übernommen hat: «Es gibt ganz klar eine Interessensverschiebung in Richtung Gratis-Partys. Für diese neue Generation von Donnerstag-Partygängern steht die Musik beim Feiern nicht mehr im Zentrum. Die Kuppel kann aufgrund ihrer Fixkosten mit diesem Boom nicht mithalten.» Plésel bedauert dies: «Das bedeutet ganz klar eine Einbusse an Qualität im Nachtleben. Die Identifikation mit der Musikkultur und die Anbindung an die Szene geht so verloren.»

Auftritte von Jan Delay und Sens Unik

Auch Steffi Klär betont den Bezug zur weltweiten Hip-Hop-Kultur. Gerne erinnert sie sich an Soulsugar-Sternstunden wie die Auftritte von Stars wie RZA (Kopf des Wu-Tang-Clan), Jan Delay oder Sens Unik. «Soulsugar war ein Label, das weit über die Stadt hinaus Ausstrahlung hatte. Wir begannen zu einer Zeit, wo es noch nicht so viele Hip Hop-Partys gab wie heute - erst recht nicht am Donnerstag. Mit der Zeit sind wir gemeinsam mit Resident-DJs wie den Goldfinger Brothers und DJ Drop gewachsen, so dass wir immer grössere Namen hierher holen konnten.» Trotz der hohen Besucherzahlen sei es in der Kuppel aber nie zu Ausschreitungen gekommen: «Die Stimmung war immer gut, es gab stets einen erdigen, aber entspannten Groove.»

Ob Soulsugar nun durch eine neue Partyreihe ersetzt wird, steht noch nicht fest. «Sieben Jahre sind für eine Partyreihe eine wahnsinnig lange Zeit, deshalb wollen wir nun zuerst in Ruhe über Alternativen nachdenken», betont Klär. Heute ab 23 Uhr lassen DJ Larry King und DJ Bazooka ein letztes Mal die Hip Hop-Platten kreisen - ausnahmsweise gratis.

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