Solothurn
Blick hinter die edlen Fassaden

Ohne seine Stadtpalais wäre Solothurn in seiner kompakten Schönheit um einiges ärmer. Hinter ihren Fassaden klebt aber auch vergossenes Blut. Stadtführerin Käthi Kammer verfolgte die Spuren Solothurner Söldnerführer.

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Stadtführung

Stadtführung

Solothurner Zeitung

KATHARINA ARNI-HOWALD

Der Titel der Stadtführung, zu der Käthi Kammerer rund 25 «Daheimgebliebenen» begrüsste, kling ziemlich martialisch: «Solothurn - Blut und Ehre für Frankreich». Doch waren weniger Kriege und Schlachten das Thema, sondern dass Solothurn ohne das Söldnertum um einiges weniger schmuck aussehen würde.

Insbesondere fünf Solothurner Söldnerführer haben sich auf den französischen Schlachtfeldern durch ihre Unerschrockenheit und ihr geschicktes Verhalten besonders hervorgetan und sind dem jeweils regierenden König auf die ihnen eigene Art nahe gestanden: Wilhelm Frölich (1504-1562), Urs Zurmatten (1523-1603), Wilhelm Tugginer (1526-1591), Balthasar von Grissach (1530-1603) und Ludwig von Roll (1605-1652). Dank ihnen und der in Solothurn angesiedelten Ambassade hat der Kanton Solothurn nebst Luzern und Freiburg während über 200 Jahren die meisten Söldner gestellt und sich am konsequentesten mit Frankreich verbunden. «Zeitweise hätte man meinen können, Solothurn sei eine Dépendance des französischen Hofes», gab Käthi Kammer einen Eindruck über das, was sich abspielte, als die Bevölkerung arm war und kinderreiche Familien froh über jeden zusätzlichen Batzen.

Frölich: Der erste Grosse

Wie die Stadtführerin betonte, war Wilhelm Frölich, auch «César Soleurois» genannt, der erste grosse Solothurner Söldnerführer. Er begann seine Karriere in den Mailänderkriegen und beendete sein Leben am Anfang der Hugenottenkriege. «Frölich, war ein erfolgreicher Feldherr, der sich imposant in Szene setzen konnte und bei seinem Tod ein beachtliches Vermögen hinterliess, obwohl er als Zürcher von Zwingli aus seiner Heimatstadt verjagt und enteignet wurde.» Als Gross- und Jungrat beteiligte er sich auch am politischen Leben seiner neuen Heimat und amtete als Dolmetscher der Ambassade. Zudem setzte er sich für die Söldner ein, wenn die Soldzahlungen aus Paris ausblieben. An ihn erinnert das Stadtpalais an der Hauptgasse 67. Nebst diesem soll er auch ein Sommerhaus auf der Südseite der Aare und Rebberge in Le Landeron besessen haben.

Wie auch die Besenvals kam die Familie von Urs Zurmatten aus dem Aostatal. Sein Vater starb früh, seine Mutter führte an der Hauptgasse 62 (Chuchilade) die Herberge zum Löwen. «Der Sohn hatte dagegen Höheres im Sinn», verwies Kammer auf die Geschichte des Hauptmanns im Regiment des Söldnerkönigs Ludwig Pfyffer, der im dritten Hugenottenkrieg vom französischen König in den Adelsstand erhoben wurde, und ergänzte: «Niemand des Solothurner Söldnerpatriziats wurde blaublütig geboren. Die Erhebung in den Adelsstand haben sie aus eigener Kraft erworben.» Zurmatten verlor als Regimentskommandant die Schlacht von Die. Schuld daran war nicht er alleine: Die Truppen waren schlecht ausgerüstet, weil einmal mehr das von Paris versprochene Geld ausblieb.

von Grissach: Der Verhasste

Eine geschichtsprägende Funktion als Diplomat und Gardeoberst nahm auch Balthasar von Grissach ein, der als Vertreter des abwesenden Ambassadors und Diplomaten zu Ehren kam. Der aus Le Landeron stammende Grissach (ursprünglich Balthasar de Cressier) erbaute das imposanteste Stadtpalais (heute Gemeindehaus) mit Wohnhaus, Hinterhaus und einem markanten Treppenturm. Statt im Feld vergnügte er sich aber oft in Paris. «Angeblich um den Sold einzutreiben» meinte Kammer. «Die verarmten Soldaten hassten ihn und wünschten sich auf seinem Grab eher einen Galgen als ein Kreuz.» Schliesslich scheiterte er an seinen hohen Schulden, so dass seine Familie das Erbe ausschlagen musste.

Mit 26 Jahren bereits kämpfte auch Wilhelm Tugginer erfolgreich für die Franzosen in Nordfrankreich. Er wurde später königlicher Dolmetscher und 1563 von Katharina von Medici in den Adelsstand erhoben. An ihn erinnern ein Sesshaus auf dem Friedhofplatz (Killer-Bijouterie) sowie der Tugginerweg im Segetz und das Tugginerstübli im Zunfthaus zu Wirthen.

Ein grosses Stück Solothurner Geschichte, die bis in die Neuzeit reicht, schrieb auch die Söldnerdynastie von Roll. Der jung verstorbene Ludwig von Roll wurde ein Jahr vor seinem Tod mit 44 Jahren vom Sonnenkönig zum Ritter geschlagen, nachdem er sich im zweiten Hugenottenkrieg als verständigen, klugen und erfahrenen Kriegsmann einen Namen gemacht hatte.

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