Marisa Cordeiro

Das Gotthelf-Zentrum in Lützelflüh ist wahrhaftig eine Attraktion des Emmentals. Besonders in Kreisen des sanften Tourismus ist es beliebt in Burgdorf oder Huttwil die bekannten Flyer mieten, um mit ihnen über grüne Hügel hinweg Gotthelf entgegen zu radeln. Auf halben Weg allerdings legen die meisten noch einen Rast ein, um sich mit emmentalischen Spezialitäten zu verköstigen. Ja, so stellen sich das die Macher des Gotthelf-Zentrums vor.

Ambitiös und kaum realisierbar

Doch noch ist es nicht soweit. Die Attraktionen Flyer und Gotthelf-Zentrum befinden sich erst im Aufbau. Im März hat die Jeremias Gotthelf-Stiftung das gleichnamige Projekt den Gemeinden vorgestellt. Ihr Urteil allerdings war ein zweischneidiges Schwert: Das Projekt sei äusserst ambitiös und auf längere Sicht nur schwer zu realisieren, schrieb der Verein Region Emmental, der sich als Sprachrohr der 42 Gemeinden versteht, in einem öffentlichen Brief an den Stiftungsrat (wir berichteten).

Auf Anfrage will Samuel Leuenberger, Präsident des Vereins, eines vorwegnehmen: «Wir äussern uns erst jetzt zum Gotthelf-Zentrum, weil wir bisher nicht offiziell um unsere Meinung gefragt worden sind.» Der Vorstand stehe dem Konzept ebenso skeptisch gegenüber: «Wir bezweifeln, dass der Betrieb auf Dauer mit Dreivierteln Fremdgeldern - also Sponsoren, Gönner und Göttibatzen - finanziert werden kann.»

Dass ein solches Finanzkonzept problematisch ist, sehe man an den Beispielen Paul Klee Zentrum und Franz Gertsch Museum. Nach dem anfänglichen Hipe würden sich Sponsoren und Gönner allmählich zurückziehen. «Das Problem bei kulturellen Institutionen ist, dass ihr wirtschaftlicher Nutzen nicht greifbar ist.»

Dieser erscheine weder in der Gemeinderechnung, noch lasse sich sein Werbeeffekt für eine Region messen. Dieser Nutzen sei deshalb dem Volk, aber auch den Firmen schwer zu kommunizieren. Bei kulturellen Angeboten bestehe deshalb stets das Risiko, «Ideenleichen» zu produzieren, sagt Leuenberger und nennt den Mistery Park als Beispiel.

Drittgelder greifbar einsetzen

Als der Grosse Rat im November 2005 dem Gotthelf-Zentrum seinen Segen erteilte, stellte er auch die Bedingung, dass der Betrieb kostendeckend sein muss. Nur unter dieser Voraussetzung würde er die Investitionskosten von rund drei Millionen Franken aus dem Lotteriefonds in Aussicht stellen.

«Doch mit dem vorliegenden Betriebskonzept dürfte das schwierig sein», sagt Leuenberger. «Der Betrieb müsste sich aus dem eigenen Ertrag finanzieren. Drittgelder müssen ‹nice-to-have› sein und greifbar eingesetzt werden.»

Gerade weil das Emmental grosses Interesse am Gotthelf-Zentrum habe, bringe die Region ihre Bedenken und die Bitte an, dass der Stiftungsrat das Betriebskonzept neu überarbeiten soll. «Nur so können wir helfen, das Projekt mehrheitsfähig zu machen», sagt Leuenberger.

Eine zeitliche Überschneidung

Auch der Stiftungsrat ist inzwischen zum Schluss gekommen, dass sich das Projekt finanziell so nicht realisieren lässt. Deshalb muss das Konzept, insbesondere die Finanzierung des Betriebs überarbeitet werden. Das teilte der Stiftungsrat gestern in einem Communiqué mit. Das sei allerdings keine Reaktion auf den öffentlichen Brief der Region Emmental, sondern eine zeitliche Überschneidung, sagte Christoph Pappa, Präsident des Stiftungsrats auf Anfrage.

Es sei geplant gewesen, Ende April die finanzielle Machbarkeit zu überprüfen. Dabei habe sich herausgestellt, dass nicht alle von der Politik gestellten Forderungen erfüllt seien. Die Erkenntnis, dass das Projekt in der Region noch zu wenig verankert sei, sei nicht ernüchternd, sondern ein natürlicher Prozess, sagte Pappa.

Die meisten Gemeinden haben nicht das Projekt als ganzes abgelehnt, sondern ihre Unterstützung an Bedingungen geknüpft. Gegenwärtig seien rund die Hälfte der vorgesehenen Betriebskosten, rund 150 000 Franken, aus Drittmitteln vorhanden. Entweder müssten nun die Betriebskosten gesenkt, oder die finanziellen Mittel in einem anderen Verhältnis zusammengesetzt werden.

Eine Arbeitsgruppe - bestehend aus Vertretern der Gemeinde und der Kirchgemeinde Lützelflüh, des Gewerbes sowie einem Stiftungsratsmitglied - soll hierzu bis im Herbst Vorschläge unterbreiten. Entsprechend werde dann das Projekt Gotthelf-Zentrum angepasst. Damit dürfte das Geschäft erst nächstes Jahr den Weg durch die politischen Instanzen antreten.