Schutzkonzepte

Bleiben zwei Meter die Norm? Oder genügen Besucherlisten? Wie Konzerte wieder durchgeführt werden können

Eigenverantwortung ist gefragt.

Eigenverantwortung ist gefragt.

So können Konzerte durchgeführt werden: Das Rahmenschutzkonzept für öffentliche Veranstaltungen des Bundes schafft die nötige Klarheit.

Die bundesrätliche Botschaft zur Lockerung der öffentlichen Veranstaltungen hat letzte Woche in der Branche für reichlich Verwirrung gesorgt. Trotz der positiven Botschaft und der Hoffnung auf eine Normalisierung im Konzertwesen blieben viele Fragen offen: Sind die berüchtigten zwei Meter nach wie vor die Norm? Oder genügen jetzt einfach Besucherlisten? Gibt es Abweichungen von der Abstandsregeln bei Konzerten im Freien? Gilt bei Pop- und Rock-Konzerten die vier Quadratmeter-Regel wie in Tanzclubs? Oder sind nummerierte Sitzplätze Pflicht? Und und und! Die Verwirrung war so gross, dass viele Veranstalter auf eine kurzfristige Öffnung per 6. Juni verzichteten.

Das Rahmenschutzkonzept des Bundes hat jetzt Klarheit geschaffen. Es beschreibt drei Möglichkeiten, wie eine Veranstaltung mit maximal 300 Personen organisiert und durchgeführt werden kann:

  1. Wenn die Distanzregel von zwei Metern während des Konzerts und im Personenfluss konsequent eingehalten wird.
  2. Wenn zusätzliche Schutzmassnahmen wie das Tragen von Hygienemasken Defizite bei den Abstandsregeln, zum Beispiel bei stehenden Konzertbesuchern oder vollbesetzten Sitzreihen, kompensieren.
  3. Wenn weder Distanzregeln, noch Schutzmassnahmen konsequent eingehalten werden können, muss der Veranstalter die Kontaktdaten der Besuchenden erheben, um die Rückverfolgbarkeit zu gewährleisten. Dazu muss der Veranstalter über die mögliche Unterschreitung des 2-Meter-Abstandes informieren und darauf hinweisen, dass es im schlimmsten Fall zu einer Quarantäne kommen kann.

Die 3. Variante macht einige Konzerttätigkeiten schon ab morgen 6. Juni wieder möglich. Das Schutzkonzept baut hier auf die Eigenverantwortung von Veranstaltern und Konzertbesuchenden. Oliver Dredge, Co-Präsident von Petzi, dem Verband der unabhängigen Schweizer Musikclubs und Festivals, begrüsst das Schutzkonzept, weil es nun die gewünschte Klarheit schafft. Er hätte sich gewünscht, dass der Bund sich vorgängig mit der Konzertbranche abgesprochen hätte. «Die grosse Verwirrung hätte vermieden werden können», sagt er.

Die Vorgaben gehen für Dredge in die richtige Richtung. «Gewisse Veranstaltungen sind wieder möglich», sagt er und ist sogar etwas «überrascht von der Geschwindigkeit der Öffnung». «Die Vorgaben bedeuten aber noch lange nicht den Normalbetrieb. Sie bieten aber die Möglichkeit für gewisse Tests», sagt er.

Der Aussenbereich werde wichtiger, obwohl das Schutzkonzept nicht zwischen Freiluft- und Inhouse-Konzerten unterscheide. Erforderlich sei aber «Flexibilität» auch von Seiten der Behörden. Viele Veranstalter seien «zurückhaltend, weil sie unter diesen Bedingungen nicht kostendeckend öffnen können». «Entscheidend» werde erst die Konzertsaison ab September und Oktober».

Autor

Stefan Künzli

Stefan Künzli

Meistgesehen

Artboard 1