Sinfonieorchester Basel
Perkussive Brillanz und historische Klangfarben für Brahms

Der Pianist Alexander Melnikov hat mit dem Sinfonieorchester Basel eine Brahms-CD eingespielt.

Reinmar Wagner
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Spielt mit zeitlich passenden Instrumenten: Alexander Melnikov.

Spielt mit zeitlich passenden Instrumenten: Alexander Melnikov.

zvg

Der aus Russland stammende Pianist Alexander Melnikov ist bekannt dafür, nicht nur historisch informiert zu spielen, sondern auch die jeweils zeitlich passenden Instrumente für seine Konzerte und Aufnahmen zu wählen. Das hält er natürlich auch bei dieser Einspielung des ersten Klavierkonzerts von Johannes Brahms nicht anders und er fand dafür einen Blüthner-Flügel, praktisch aus dem Jahr der Uraufführung dieses Konzerts: 1859.

Es war nicht gerade das beste Jahr im Komponistenleben von Johannes Brahms und auch die Uraufführung dieses Konzerts wurde vom Publikum in Leipzig sehr ungnädig aufgenommen: zu sinfonisch, zu gross, zu lang für den Geschmack der Zuhörer. Immerhin gestanden dem jungen Komponisten die gnädigeren Kritiker «Ernst des Strebens» oder «Würde, Tiefe und Erhabenheit» zu. Erst 14 Jahre später wurde das Konzert dann auch in Leipzig geschätzt, nicht zuletzt durch den Einsatz der treuen Freundin Clara Schumann.

Tatsächlich beginnt es eher wie eine Sinfonie, der Solist muss sehr lange warten auf seinen Einsatz. Auf dieser CD mit dem Sinfonieorchester Basel noch länger, weil die «Tragische Ouvertüre» dem Konzert vorangestellt wird. Aber man hört ihnen gerne zu, den Musikern des Sinfonieorchesters Basel unter ihrem Chefdirigenten Ivor Bolton. Auch sie geben dem Klangbild historisch angepasste Farben und Akzentuierungen, spielen sensibel und transparent, und Bolton stellt der Dramatik von Brahms' Klangsprache eine wache, lebendige Agogik gegenüber.

Sensible Interpretation statt Tastendonner

In diese Beweglichkeit lässt sich auch Alexander Melnikov sehr gerne einbinden und erwidert sie gleichermassen mit elastischem Spiel. Wie schon in seinen Aufnahmen des Konzerts und der Trios von Robert Schumann (mit Isabelle Faust und Jean-Guihen Queras) stellt Melnikov auch bei Brahms den klangmächtigen Tastendonnerern unter den Pianistenkolleginnen eine feinsinnige, sensibel ausgehorchte Interpretation entgegen.

Man hört ihr umso lieber zu, weil auch immer wieder unscheinbare Details sprechend herausmodelliert werden und überraschende Nuancen aufscheinen. Der weit gespannte Gesang im Adagio bleibt zwar bisweilen etwas kleinteilig, punkten kann Melnikov aber mit der perkussiven Brillanz des historischen Flügels vor allem im Finale.

Passend als Ergänzung findet sich eine Rarität auf der CD, die Ouvertüre zur Oper «Eliza ou Le Voyage aux Glaciers du Mont Saint-Bernard» von Luigi Cherubini: ein Gletscher-Drama aus den Walliser Alpen mit Kuhreihen-Kolorit, passend nicht so sehr wegen der Stimmung dieser Musik oder wegen des Schweizer Bezugs, sondern weil Brahms Cherubini mochte und weil diese Ouvertüre damals im selben Konzert wie die Uraufführung seines ersten Klavierkonzerts gespielt wurde.

Brahms: Klavierkonzert Nr. 1 op. 15, Tragische Ouvertüre. Cherubini: «Eliza»-Ouvertüre. Alexander Melnikov (Klavier), Sinfonieorchester Basel, Ivor Bolton. Harmonia Mundi 902 602.

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