Kolumne

«Auf ein Wort»: Vor 500 Jahren antwortete man mit der Formel «...!» ganz einfach auf alle Arten von Beleidigungen

Unser Mundartexperte: Niklaus Bigler.

Unser Mundartexperte: Niklaus Bigler.

Die Mundartkolumne von Niklaus Bigler diesmal zu zwei Worten, die ursprünglich von sparsamen Schreibern aus dem Lateinischen übernommen wurden.

Heute schauen wir mal den Schreibern über die Schulter, die vor gut 500 Jahren mit Rechnungsbüchern oder Verträgen beschäftigt waren. Dabei fällt uns auf dem Blatt ein markantes Wörtlein auf, das oft einen neuen Absatz einleitet:

Der Text ist zwar deutsch, aber item ist lateinisch und bedeutet ‹ebenso›. Aus dieser Verwendung entstand das Substantiv mit der Bedeutung ‹Posten, Eintrag›; im Englischen gibt es sogar personal items (persönliche Gegenstände).

Das Aargauer Wörterbuch von Jakob Hunziker (1877) verzeichnet «es Item, ein zu erwägender Punkt». Am meisten jedoch braucht man es im Dialekt als Floskel, die einen Gedankenstrang abbricht und sich der Kernaussage zuwendet: Er isch nid doo. Vilicht het ers vergässe ... oder het er ächt de Zuug verpasst? ... item (sei dem, wie es wolle), iez mache mers halt deewääg!

Ein weiteres Wort, das zu dieser Zeit in den Kanzleien aufkam, ist das Folgende:

Es hat eine ähnliche Bedeutung wie item und kommt aus der Buchhaltung. Auf diesem Gebiet waren die Italiener führend; sie haben damals auch als erste Europäer die arabischen Zahlen statt der römischen eingeführt.

Statt einen identischen Rechnungsposten oder den gleichen Monatsnamen auf der neuen Zeile wieder auszuschreiben, schrieb man einfach ditto; das kommt von lateinisch dictum (gesagt) und lautet im modernen Italienisch detto.

Buchhalterische Sparsamkeit kam beim schriftlichen Aufstellen von Inventaren zum Tragen, später sogar im täglichen Umgang. Wer beschimpft wurde, etwa mit Bisch e tumme Siech, konnte ohne viel Aufwand die Beschimpfung zurückgeben mit der Formel: Dito mit Franse!

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