«Auf ein Wort»-Kolumne
Wääje, die alemannische Pizza

In seiner aktuellen Kolumne erklärt unser Mundartexperte Niklaus Bigler, woher der Name für den feinen flachen Kuchen kommt, der heute in jeder Schweizer Bäckerei erhältlich ist.

Niklaus Bigler
Niklaus Bigler
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Im Freilichtmuseum Ballenberg wird gezeigt, wie man im 16. Jahrhundert eine Wähe buk.

Im Freilichtmuseum Ballenberg wird gezeigt, wie man im 16. Jahrhundert eine Wähe buk.

Bild: Keystone

Früher, als die Pizza bei uns noch nicht so bekannt war, nannte man sie im Scherz auch Mafiaweeje. Was eine Wähe ist, weiss man ja in der ganzen deutschen Schweiz. Bäckereien, Gastronomie und Kochbücher haben das Wort überregional verbreitet, auch wenn es in einzelnen Gebieten noch andere Bezeichnungen gibt.

Im Nordosten, von der Aaremündung bis zum Bodensee, sagt man traditionell Tünne oder (ganz im Osten) Tünnele, Tülle. Südlich einer Linie Solothurn–Schwyz ist es einfach e Chueche. Zwischen diesen beiden Gebieten, von Basel bis ins St. Galler Oberland, heisst es Wääje, Weeje, Wèèe oder ähnlich.

Da man zum Backen ein Blech braucht, ist die offizielle deutsche Benennung Blechkuchen, aber auch in Südbaden kennt man die Wörter Weeje (im Westen) und Dünne (im Osten). Schon im späten 16. Jahrhundert ist im Raum Zürich beides bezeugt: «Ein wägen oder thünen [hat ein Einbrecher] gnommen.»

In katholischen Gegenden ass man dieses besondere Gebäck oft am Freitag, damit das Fastengebot eingehalten wurde. An anderen Orten fiel der Wähentag mit dem Backtag zusammen; dann machte man die Wähen aus dem gleichen Teig und gab sie noch vor dem Brot in den glutheissen Ofen.

Offensichtlich hängt der Name Tünne damit zusammen, dass der Teig dünn ausgewallt wurde. Bei der Wääje vermutet man einen Zusammenhang mit dem Verb wääje (wehen): das bezieht sich entweder auf das Aufgehen des Teigs oder auf die Ofenhitze, welche über den Kuchen streicht (ähnlich wie beim Flammkuchen).

Und wer es lästig fand, wenn man ihn fragte: Was machsch?, der konnte auch einmal zur Antwort geben: E Handhebi [Griff] an e Chruutwääje!

Niklaus Bigler war Redaktor beim Schweizerdeutschen Wörterbuch (idiotikon.ch).

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