Kultur

Alles andere als ein Haudrauf: Schlagzeuger Fabian Ziegler sorgt für Furore

Der Perkussionist Fabian Ziegler aus Matzingen TG ist einer von drei Instrumentalisten, welche vom Migros Kulturprozent mit 14'400 Franken plus Konzertvermittlung gefördert werden. Sieben weitere Instrumentalisten und Instrumentalistinnen erhalten den selben Betrag ohne Konzertvermittlung. (zVg)

Der Perkussionist Fabian Ziegler aus Matzingen TG ist einer von drei Instrumentalisten, welche vom Migros Kulturprozent mit 14'400 Franken plus Konzertvermittlung gefördert werden. Sieben weitere Instrumentalisten und Instrumentalistinnen erhalten den selben Betrag ohne Konzertvermittlung. (zVg)

Der 24-Jährige weckt das Interesse für ein Instrument, das auch ein jüngeres Publikum anzuspricht

Die erste sanfte Warnung kommt am Eingang zur Kirche, wo das Konzert stattfindet. Das letzte Stück werde sehr laut sein, sagt die Platzanweiserin. Ich könne mich auch nach hinten setzen. Das zweite Ausrufezeichen setzt Fabian Ziegler selbst, bevor er sich seinem Schlagzeug zuwendet. Dies sei «ein absolutes Meisterwerk», erklärt er dem Publikum, und fügt ironisch hinzu: «Ich werde mit dem Rücken zu Ihnen stehen – und es also nicht sehen, wenn Sie sich die Ohren zuhalten sollten.»

Wir in der zweiten Reihe denken weder an das eine noch ans andere. Denn das Stück «Psappha» von Iannis Xenakis ist ein überwältigendes Erlebnis, gerade aus der Nähe. Ziegler hat Trommeln, Tomtoms, Becken, Congas – ausserdem ein Pfännchen und einen Raddeckel - zu einem Schlagzeug montiert. Und schlägt jetzt einen stetig sich steigernden, zuletzt ganz wilden Rhythmus an, bevor ihn ein tosender Applaus erlöst von seiner Schwerarbeit. Iannis Xenakis aber ist mit «Psappha» ein grosser Wurf gelungen, der auch eine lebhafte Empfehlung bedeutet für das Schlagzeug und seine klanglich-rhythmischen Möglichkeiten. Und für den jungen Solisten.

Am Liebsten hätte er den ganzen Tag geübt

Doch unser Staunen über Fabian Zieglers Schlagzeug-Arsenal ist fehl am Platz. Er habe gar nicht viel dabei, sagt der 24-Jährige, der im Gespräch ganz ruhig wirkt und nichts von seiner wilden Konzert-Seite erkennen lässt. In Winterthur und Lugano habe er zum Beispiel in Avner Dormans 2007 von Martin Grubinger uraufgeführtem Schlagzeugkonzert «Frozen in Time» mitgespielt, da seien noch Vibraphon, Marimba, ein Glockenspiel, gestimmte Kuhglocken und mehr zum Einsatz gekommen.

Der von Begeisterung und Neugier getriebene Grubinger ist auch einer seiner Lehrer an der Zürcher Hochschule der Künste gewesen. Jetzt steckt Fabian Ziegler in einem zweiten Studium, während seine Karriere mehr und mehr Schwung annimmt. Im Mai hat er in der Tonhalle Zürich in der Reihe «Série jeunes» auftreten können, und auch in den kommenden Wochen stehen etliche Konzerte in seinem Kalender.

Er hat Meisterkurse absolviert und Preise gewonnen, unter anderem 2016 und 2018 den Studienpreis des Migros-Kulturprozent, das ihn auch in seine Konzertvermittlung aufgenommen hat. Auf seinen Plan B – eine abgeschlossene KV-Lehre - wird Fabian Ziegler deshalb wohl kaum zurückgreifen müssen.

Stattdessen kann er weiterbauen an einer künstlerischen Karriere, in die hinein er über den Vater gefunden hat. Der hat in seiner Freizeit eine Blasmusik dirigiert und den Buben mitgenommen. Und den hat «von Anfang an das Schlagzeug ganz heftig interessiert». Als er dann noch an einem Wettbewerb ein Marimba hörte, da war es vollends um ihn geschehen. «In der Lehre bin ich immer gleich nach Hause gegangen; am liebsten hätte ich den ganzen Tag geübt.»

Jede Menge Pläne für die Zukunft

Das kann er heute. Aus dem Hobby ist ein Beruf geworden, der durchaus seine schwierigen Seiten hat. Denn das Schlagzeug gehört zwar zu den Instrumenten, mit deren Hilfe sich die Kluft zu einem jüngeren Publikum verringern liesse, was Martin Grubinger mit seinen Auftritten und seiner Medienpräsenz beweist. Aber es fehlt auf der andern Seite an einem genügend breiten Repertoire.

Deshalb arbeitet Fabian Ziegler intensiv mit Komponisten zusammen. Und er spielt auch gern populäre, für das Schlagzeug arrangierte Stücke. Beispielhaft kommt beides in den Konzerten vom 10. und 17.11. in Luzern zusammen: Ziegler führt da mit dem Colores-Schlagzeugtrio und dem Molto Cantabile Chor unter anderem das Marimba-Konzert von Gene Kosinski und die Danse Macabre von Camille Saint-Saens auf.

Nächste Auftritte Lunchkonzert in der Johanneskirche Zürich (29.10.), Rahn Konzert mit dem Colores Trio im Kaufleuten Zürich (2.11.), Auftritt mit Colores Trio und Chor im Festsaal Muri (2./3.11.), in der Johanneskirche Luzern (10./17.11.)

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