Polemik

Zeigt mir kein Herz mehr, ich bin Azteke

Die Schweizer Nati formt bei der Besprechung zum Spiel gegen Argentinien ein Herz

Die Schweizer Nati formt bei der Besprechung zum Spiel gegen Argentinien ein Herz

Was für Barbaren! Schauten zu, wie schweissüberströmte Athleten auf dem Rasen Bälle jagten, einander die Bälle zuspielten und an der Stirnseite des Platzes durch eine Art Korb oder Öse schlugen.

Die Sieger hob man auf Schultern, die Verlierer legte man auf den Boden. Der Hoheschiri trat vor und riss jedem vor aller Augen das Herz heraus. Sein Herz weiht mir heute jeder Spieler, egal, ob Verlierer oder Sieger. Einfach nur wegen des Dussels, an der WM ein Tor erzielt zu haben. Er formt das Herz mit seinen Händen und bringt es mir jubelnd dar. Nicht mir, nur der nächstbesten Kamera. Jeder Spieler weiss: Wie ein Vampir Jungfernblut, so braucht Fernsehen «Emotionen». Egal, ob echt oder falsch. Bis zum Überdruss kann es solche Szenen wiederholen. Und damit auch Ruhm und Marktwert des Dussels steigern. So dealen beide im Gleichen: ein Herz und keine Seele.

Diese WM der Herzen ist unerträglich geworden. Plötzlich sehe ich mich vor der Glotze wie verwandelt: Ich werde wieder zum Barbaren, ticke wie ein alter Azteke: Hoheschiri, schick jeden Kitschkicker nach einem Tor unverzüglich in die Katakomben! Oder gehe an jedem Kamera-Auge vorbei, um es mit einem satten Schaumguss aus deiner Dose zu blenden.

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