Polemik

James und der Gazastreifen

Real Madrid zahlt 100 Millionen Franken für James Rodriguez - einem Spital in Gaza fehlt das Geld für Medikamente.

Real Madrid zahlt 100 Millionen Franken für James Rodriguez - einem Spital in Gaza fehlt das Geld für Medikamente.

Es ist grotesk: Auf der einen Seite kämpfen unterversorgte Spitäler im Gazastreifen um jeden Rappen für Medikamente, auf der anderen Seite wird für einen Fussballer wie den Kolumbier James Rodriguez eine Summe von 100 Millionen Franken hingelegt.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: 80 Millionen Euro – umgerechnet fast 100 Millionen Schweizer Franken – überweist Real Madrid an den AS Monaco für den Torschützenkönig der WM in Brasilien, James Rodriguez. HUNDERT MILLIONEN! Nachdem wir «Couch-Potatoes» aus unserem WM-Sommertraum erwacht sind (ausser man ist Deutscher, da dauert der Traum noch eine Weile) und wieder mit dem tristen Kriegs- und Katastrophenalltag unserer Welt konfrontiert werden, mutet so ein Transfer je länger, je mehr grotesk an.

Sollen wir uns darüber aufregen, dass ein 23-jähriger, zugegebenermassen überaus talentierter Kicker aus Kolumbien, den aber vor der WM nur die grössten Fussball-Insider kannten, a) eine derartige Unsumme kostet und b) jährlich angeblich mal eben 7 Millionen Euro (netto) verdient? Der Verstand sagt: Nein, das gehört halt zum Lauf der bisweilen bizarren, verrückten Sportwelt. Das Herz sagt: Ja! Man könnte für das Geld zum Beispiel Medikamente für die heillos unterversorgten und überforderten Spitäler im Gazastreifen kaufen. Oder es in die marode spanische Wirtschaft investieren. Vernunft sieht auf jeden Fall völlig anders aus. (ku)

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