Pizza-Tour

Mussolini war auch schon hier

Campo Imperatore - 80 Quadratkilometer naturgeschützte Hochebene

Campo Imperatore - 80 Quadratkilometer naturgeschützte Hochebene

Mit 1782 müM haben wir heute den höchsten Punkt unserer Italien-Tour erreicht. Und dies an einem Ort mit unrühmlicher Geschichte und symbolträchtigem Namen: Campo Imperatore. Dies alles in atemberaubender Umgebung im Gran Sasso-Massiv.

Montag, 27. August. Die heutige Etappe ist härter als erwartet. Den ersten Aufstieg ins «Valico di Capo la Serra» auf 1600 müM schaffen wir zwar buchstäblich vor dem Frühstück. Da wir wieder einmal vor der offiziellen Frühstückszeit starten wollen, drückte uns die fürsorgliche Wirtin des «Rifugio del Pastore» schon gestern Abend eine reichhaltige Picknicktasche in die Hand. Wir plündern sie kurz nach der Passhöhe.

Ein Naturwunder auf über 1500 Metern Höhe

Nach einer kühlen Abfahrt beginnt die lange Fahrt aufwärts durch den Campo Imperatore. Diese von einem Gletscher aus dem Gran Sasso-Massiv geschliffene Hochebene erstreckt sich über eine Fläche von rund 80 Quadratkilometer auf einer Höhe von 1500 bis1900 Metern. Ein eindrückliches Naturwunder, das als Teil des Abbruzzen-Nationalparks unter Schutz steht. Keine Menschen, keine Häuser, kein Verkehr. In der Ferne sieht man hin und wieder langsam und ruhig eine Schaf- oder Ziegenherde vorbeiziehen. Über uns steht ruhig ein Falke im Wind und hält nach Beute Ausschau. Die Adler, die hier leben, lassen sich leider nicht blicken. Es ist still auf dieser riesigen Ebene. Das lauteste Geräusch ist der leichte Tinitus im eigenen Ohr.

Der Wind kommt immer von vorn

Mit moderater Steigung geht es höher und höher. Doch je länger die Fahrt geht - die Ebene ist immerhin rund 15 km lang - desto stärker kommt der Wind auf. Woher wohl? Wie üblich von vorn. Leicht genervt und mit schlaffen Schenkeln erreichen wir schliesslich den südwestlichen Rand der Ebene und freuen uns trotzdem ein wenig, in diesem Moment den höchsten Punkt unserer Velotour durch Italien erreicht zu haben. Dann geht's nur noch bergab, bis zum Hotel, 12 Kilometer lang. Dieses Trostpflaster tut gut.

Geschichtslektion am Nachmittag

Dank frühem Start am Morgen haben wir am Nachmittag genügend Zeit, um unsere Gegenwindstrecke vom Vormittag nochmals aus Distanz anzuschauen. Denn von unserem Etappenziel, Fonte Cerreto aus führt eine Seilbahn hinauf an den Fuss des Corno Grande und damit wieder an den nordwestlichen Rand des Campo Imperatore. Neben der Bergstation der Bahn auf 2130 Metern steht auch das gleichnamige Hotel, in dem Benito Mussolini auf Geheiss des Königs Viktor Emanuel III im Sommer 1943 interniert und Anfangs September von deutschen Fallschirmjägern wieder befreit wurde. Wenn man will, kann man dort das Zimmer, in dem Mussolini gefangen war, für zwei Euro Eintritt besichtigen. Wir wollen nicht.

Unsere «Königsetappe»: Castel del Monte - Fonte Cerreto, 41 km, 626 Hm

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