Kommentar

Es braucht die Einsicht der «Lausbuben»

Der Entscheid der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK), an ihrer 2004 beschlossenen Sprachenstrategie festzuhalten, die neben Englisch eine zweite Landessprache vorsieht, ist alles andere als ein Machtwort.

Das lässt sich so erklären: Lausbuben rennen zwar davon, wenn ein Passant sie in flagranti bei einem ihrer Streiche erwischt und tadeln will. Sind sie jedoch an der nächsten Hausecke angekommen, setzen sie ihr Treiben fort. Solange sie mit keiner Strafe zu rechnen haben, lassen sie sich nicht aufhalten. Auch mit der Polizei zu drohen, hilft da im Moment wenig.

Entsprechende Wirkung hat das Votum von Bundesrat Alain Berset. Seine Androhung, dass der Bund einschreiten werde, wenn sich Kantone nicht an die Vorgaben halten sollten, hat keine Durchschlagskraft. Der Grund dafür ist: Die EDK ist machtlos im laufenden Sprachenstreit. Sie kann den Kantonen keine Weisungen erteilen, und sie kann sie bei einer abweichenden Haltung auch nicht sanktionieren.

EDK-Präsident Christoph Eymann redet sogar selbst davon, dass eine Intervention des Bundes vermieden werden soll. Die Souveränität der Kantone in Bildungsfragen ist ihm wichtig. Kommt hinzu, dass das weitere Vorgehen erst 2015 besprochen wird, wenn die Bilanz vorliegt, ob die Kantone die Harmonisierungsziele erreicht haben.

Bis dahin müssen die Erziehungsdirektoren den Diskussionen in den Kantonsparlamenten über die Abschaffung von Frühfranzösisch folgen, die allfälligen «Streiche» und die darauf folgende Kritik aus der Westschweiz über sich ergehen lassen. Es ist wie mit den Lausbuben: ­Der EDK bleibt nichts anderes übrig, als auf die Einsicht der Kantone zu hoffen.

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