Credit Suisse

Ein starker Auftritt reicht noch nicht

Kaum wurde bekannt, dass mit Tidjane Thiam ein externer Kandidat für das Amt des CS-Chefs bestimmt wurde – erst noch ein Versicherungsmensch und von einem anderen Kontinent – ging das Lamento los in den Onlineforen:

Wieso kein Schweizer? Wieso kein Banker? Die Zweifler füllten die Kommentarspalten bis in die späten Abendstunden.

Nun, diese Fragen stellen sich sicher viele Analysten und Beobachter der Bankenwelt auch. Doch die meisten kommen nach reiflicher Überlegung zu einem anderen Schluss: Die Ernennung von Tidjane Thiam ist zwar eine Überraschung, aber eine positive, heisst es von dieser Seite.

Zwar hat Thiam möglicherweise Fehler gemacht, war McKinsey-Berater und hat sich als junger Mann in die Wirren der Politik in seiner Heimat, der Elfenbeinküste, gestürzt. Aber er hat eine bemerkenswerte Karriere hinter sich. Und operativ und strategisch sicher auch einiges gut gemacht bei der Versicherung Prudential, für die er in den letzten sechs Jahren als CEO zuständig war. Der Applaus der Börsianer war ihm deshalb gewiss: Der Aktienkurs der Grossbank stieg gestern um über acht Prozent.

Das sind mehr als nur Vorschusslorbeeren. Hier wurde nicht nur Frust abgelassen über den langjährigen Konzernchef Brady Dougan. Hier erhoffen sich viele etwas ganz Neues von der Bank und vom neuen Mann an der Spitze. Er soll die Abkehr vom risikoreichen und kapitalintensiven Investmentbanking einleiten und neue Märkte in Asien erschliessen, wo er offenbar bestens vernetzt ist. Er soll, und das ist wohl für diese Gruppe das Wichtigste, dafür sorgen, dass die Aktionäre, die in den letzten Jahren nur wenig Freude an der CS hatten, wieder mehr Grund zu Optimismus haben.

Dabei sollte man eines nicht übersehen: Seitdem Rainer E. Gut aus der Kreditanstalt die Credit Suisse gezimmert hat, hat die Bank einen fundamentalen Wandel durchgemacht. Sie ist eine globale Bank, mehr als die Hälfte der Banker sind in den USA stationiert, das Wachstum kommt zum grossen Teil aus Asien. Und die Grossaktionäre sind nicht mehr der alte Zürcher Geldadel wie zu Zeiten des Gründers Alfred Escher. Sondern die saudische Olayan Holding hält mit fast 22,6 Prozent Aktien und Optionen – und der Staatsfonds von Katar 22,9 Prozent. Dass diese sich nicht mit einem starken Auftritt vor den Medien und ein paar Brocken Hochdeutsch zufriedengeben, scheint offensichtlich.

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