Am vergangenen Dienstag habe ich einen Kommentar über die geplante Volksinitiative für ein schweizweites Verhüllungsverbot geschrieben. Titel: Das Nicht-Problem.

Angesichts der überaus geringen Anzahl Burka- und Niqab-Trägerinnen im Land – die Initiative richtet sich in erster Linie gegen sie – sehe ich keine Notwendigkeit für eine neue Gesetzgebung, schon gar nicht auf Verfassungsstufe.

Dass der (absehbare) Abstimmungskampf hitzig werden wird, zeigte sich am nächsten Tag in meiner Mailbox. Sie quoll beinahe über. Es liegt in der Natur der Sache, dass in erster Linie diejenigen in die Tasten griffen, die sich über einen Beitrag aufregen. Negative Emotionen will man eher loswerden als positive.

Spannend war vielmehr, wie breit das Spektrum der empörten Reaktionen war. Gleich mehrere Leser forderten mithilfe der Redewendung «Wehret den Anfängen» – einer sogar im lateinischen Original – ein präventives Burka-Verbot, weil sich die Problematik künftig akzentuieren werde. Einen Rauchmelder müsse man schliesslich vor einem allfälligen Brand in der Wohnung installieren, schrieb jemand.

Doch auch aus der anderen politischen Ecke meldeten sich Vertreter: So kritisiert ein Ex-SP-Mitglied seine ehemaligen Parteikollegen dafür, dass sie nur deshalb die Initiative nicht unterstützten, weil sie «von der falschen Seite» komme. Eine Basler Leserin wiederum findet es «überhaupt ein absolutes No-Go», dass ein Mann zum Thema schreibt – und empfiehlt mir, zwecks Läuterung selbst einmal einen Tag lang in einer Burka herumzugehen.

antonio.fumagalli@azmedien.ch