Auf Lehrer sollte man hören. Zumindest als Schüler. Denn sie wissen meist alles besser. Aber muss man auch als Bildungspolitiker auf Lehrer hören? Vielleicht nicht immer. Stehen grosse Reformen an, sind Lehrer nicht anders als wir alle: Man ist zuerst wohl ab und zu (zu) skeptisch.

Aber in diesem Fall wussten es die Lehrer besser. Schon vor zwei Jahren haben Solothurner Sek-Lehrer grosse Bedenken angemeldet, ob die neuen Fremdsprachen-Einheits-Lehrmittel, die Solothurn mit fünf anderen Kantonen für einiges Geld hat erarbeiten lassen, wirklich tauglich sind. Inzwischen haben sie recht erhalten: Das neue Französisch-Lehrbuch «Mille feuilles» musste schon in die Überarbeitung geschickt werden – für ein Prestigeprojekt von Bildungsdirektoren wahrlich kein Ruhmesblatt. Und jetzt die nächste Panne: Regierungsrat Remo Ankli hat die Reissleine beim Oberstufen-Lehrbuch «Clin d'oeil» gezogen. Es kommt, anders als geplant, auf der Sek-P-Stufe nicht zum Einsatz. Auch es neu, auch es taugt also nur bedingt, auch es muss wohl überarbeitet werden.

Es ist mutig, dass der Bildungsdirektor ein Projekt stoppt, wenn er Probleme sieht – trotz Absprachen unter den Kantonen. Konsequent ist es aber nicht. Denn für die Sek B und die Sek E soll dasselbe Buch noch diesen Sommer eingeführt werden. Lehrer warnen bereits jetzt. Auch weil es die Durchlässigkeit zwischen der progymnasialen Sek P und der Sek E erschwerte. Ein weiterer Schönheitsfehler. Heisst es nicht später: «Die Lehrer haben es besser gewusst»?

lucien.fluri@azmedien.ch