Was gibt es Schöneres für Kinder, als sich im Sommer im Freien auszutoben? Immer wieder faszinierend, wie sie mit ihrer scheinbar grenzenlosen Fantasie den Sandkasten in ein mittelalterliches Königreich verwandeln – oder einen Felsspalt im Wald in eine Räuberhöhle. Dabei vergessen sie die Welt um sich herum und wirken völlig entspannt. Aber ganz offensichtlich sind solche «Entspannungsmethoden» für Kinder in der heutigen Zeit veraltet. Jetzt ist autogenes Training angesagt, eine ausgewiesene Methode zur Entspannung für Erwachsene.

Wieso können Kinder sich denn heute nicht mehr anders entspannen? Vielleicht wegen der vielen Termine? Von Frühenglisch über Fussballtraining bis hin zum Klavierunterricht wird alles absolviert. Dann die Schule, die ebenfalls viel Zeit erfordert – jedenfalls, wenn gute Leistungen erbracht werden wollen.

Und jetzt zur Entspannung also ein weiterer Termin: Autogenes Training. Alle Eltern wollen ja nur das Beste für ihre Kinder: Eine möglichst vielseitige Bildung, gute Schulnoten, ein bis zwei Hobbys ... Damit alles klappt, ist oft ein gewisser Leistungsdruck nötig, und um diesen auszugleichen, braucht es dann besagte Entspannung. Wäre es nicht besser, wenn ein Kind einfach ein Kind sein könnte? Früh genug muss entschieden werden, welche Laufbahn eingeschlagen wird, früh genug ist das Leben gespickt mit Terminen. Wenigstens die Kindheit sollte davon noch nicht geprägt sein. Sie sollte vielmehr die Zeit der Sandburgen und der Räuberhöhlen bleiben.

Yvonne.Aregger@azmedien.ch