Sälischlössli

Zum Erfolg verdammt

Dass die Bürgergemeinde als Besitzerin nun mit der Grenchnerin Karmen Müller eine Pächterin gefunden hat, die sich langfristig ans Haus binden will und nicht unbedingt nur an die Rendite denkt, ist bemerkenswert.

Dass die Bürgergemeinde als Besitzerin nun mit der Grenchnerin Karmen Müller eine Pächterin gefunden hat, die sich langfristig ans Haus binden will und nicht unbedingt nur an die Rendite denkt, ist bemerkenswert.

Das 1870 erbaute Sälischlössli ist eines der wenigen Wahrzeichen der Region Olten. Das Gebäude mit den Erkertürmchen ist von weit her zu sehen. Umso schmerzlicher war es in den letzten Jahren, dass man als Gast die einmalige 360-Grad-Panoramasicht von 700 Metern über Meer immer nur in homöopathischen Dosen geniessen konnte. Mal war das Restaurant mit der Aussichtsterrasse offen, mal nicht. 

Dass die Bürgergemeinde als Besitzerin nun mit der Grenchnerin Karmen Müller eine Pächterin gefunden hat, die sich langfristig ans Haus binden will und nicht unbedingt nur an die Rendite denkt, ist bemerkenswert. Die Herausforderungen für die 54-Jährige sind gross: Die Küche ist im Keller, was eigentlich einen personalintensiven Betrieb nötig macht.

Ob Müller nur mit einem Koch und einer Aushilfskraft auskommt, wenn ihr die Gäste die Bude einrennen, wird sich zeigen. Das weist auf ein weiteres Problem hin: Der Betrieb ist stark wetterabhängig und lebt vor allem von den Wochenendausflüglern. An schönen Sonntagen ist die Aussichtsterrasse voll, an schlechten verliert sich kein Mensch aufs Sälischlössli. 

Doch die neue Wirtin lässt sich davon nicht beirren: «Ich werde Erfolg haben», sagte die Frau gestern energisch. Sie, die anscheinend neun Jahre lang mit Bravour das Stadionrestaurant des FC Grenchen geführt hatte, ist gewissermassen auch auf dem Sälischlössli zum Erfolg verdammt. Sollte sie scheitern, ist nämlich unklar, was mit dem Haus passiert. 

Die Bürgergemeinde hat verlauten lassen, dass es in letzter Zeit Kaufinteressenten gab, die das Sälischlössli liebend gerne in Wohnungen umwandeln würden. Käme es dazu, hätte die Region Olten aber nicht nur ein Traditionsrestaurant, sondern auch eines seiner Wahrzeichen verloren.

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