Wer baut, braucht einen langen Atem. Vor allem, wenn Aussergewöhnliches entstehen soll: Ein Seminarhotel, eine Seilbahn, ein Hotel-Umbau oder ein Coop-Center. Lauter Beispiele von Projekten aus der Region, die jahrelang bekämpft worden sind.

Dahinter stehen die unterschiedlichsten Interessen, aber die Strategien ähneln sich: Die Bauherrschaft soll durch die lange juristische Fehdezeit so zermürbt werden, dass sie entweder vom Projekt Abstand nimmt oder ein Kompromiss, allenfalls noch mit einer Abfindung herausschaut.

Speziell ist aber der Fall Kofmehl-Areal: Als 2002 das «Ja» zur Westumfahrung kam, herrschte Euphorie. Fast acht Jahre nach der Eröffnung ist auf Stadtsolothurner Boden links und rechts der Umfahrungsstrasse noch nicht ein neues Gebäude entstanden – im Gegensatz zur Biberister Aaresüdseite. Noch nicht einmal baureif ist jenes Projekt, das rasch aus den Startlöchern kam, indem man schon 2004 auf dem Kofmehl-Areal die alte Kulturfabrik abriss, um den Weg für ein Coop-Center im künftigen «Weitblick»-Quartier zu ebnen.

Nun rechnen auch Optimisten noch mit einem jahrelangen Rechtsstreit, bis gebaut wird – sofern Coop dann noch will. Dank der unnötigen Schlaufe über das Bundesgericht zurück auf Feld eins hat sich die Anwohner-Opposition bis jetzt durch alle Instanzen behauptet. Ein selbst ernannter Robin Hood sieht offenbar sein Lebenswerk darin, den Neubau zu verhindern.

Das könnte gelingen, denn die Rechte des Einzelnen sind in unserem System sehr gut ausgebaut, und ein Scheitern kostet ihn letztlich nicht alle Welt. Es braucht lediglich genügend Energie, um das Ding durchzuziehen. Wehe also dem Bauherrn, der auf einen solchen Nachbarn stösst!

Die Geschichte des Kofmehl-Areals in Solothurn