Persönlich

Zeitrechnung nach Kinderart

Auf der Neubaustrecke fährt der Zug durch einige Tunnel. (Archiv)

Auf der Neubaustrecke fährt der Zug durch einige Tunnel. (Archiv)

Es gibt Zeiten, da die Pendlerinnen und Pendler nicht allzu glücklich darüber sind, wenn die Ausflügler in Legionsstärke die Morgenzüge füllen. Doch im Moment ist es grad anders. Weil die meisten Flugverzicht-Bekenntnisse derer, die das Klima retten wollen, denselben gleichsam auf der Lippe zu ersterben scheinen, über welche die Schwüre nie gekommen sind, ist es in den Zügen auch frühmorgens angenehm wie selten.

Und dann kommt es zu schönen Begegnungen. Wie gestern Morgen, als ein Grossvater und eine Grossmutter mit ihren beiden Enkeln westwärts fuhren. Und auf der Neubaustrecke zwischen Olten und Solothurn ganz baff waren, wie viele Tunnel der Zug in einer Viertelstunde zu passieren hatte. Vor allem die beiden Kleinen waren fasziniert. Bis ihnen in den Sinn kam, dass es beim Eintauchen in den Tunnel Nacht wird – und beim Auftauchen Tag. Ergo vergeht in den 16 Minuten zwischen den beiden Städten nach Kinderrechnung deutlich mehr als eine Woche.

Gut oder schlecht? Schlecht! «Wenn die Woche, die wir bei euch sein dürfen, so schnell vorbeigeht, weil wir durch so viele Tunnel fahren, will ich nicht in den Zoo nach Crémines», begehrte der grössere der beiden Kleinen auf. Worauf der Opa geistesgegenwärtig antwortete: «Keine Sorge, wenn wir auf der gleichen Strecke nach Hause fahren, bekommen wir bei jeder Tunneldurchfahrt einen Tag zurück.» Der Tag im Zoo war gerettet.

balz.bruder@chmedia.ch

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Balz Bruder

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