Ladenöffnungszeiten

Widersprüchlich

Auch weil sie von den Ladenöffnungszeiten ausgenommen sind, spriessen sie wie Pilze aus dem Boden: Tankstellenshops.

Auch weil sie von den Ladenöffnungszeiten ausgenommen sind, spriessen sie wie Pilze aus dem Boden: Tankstellenshops.

2015 hat das Solothurner Volk entschieden: Geschäfte müssen Abends beizeiten Feierabend machen. Ausgenommen sind Tankstellen – oder Kioske. Diese sind in Solothurn nun vermehrt zu sehen.

Wer sehen will, wie Regulierungen Land und Landschaft verändern, muss nur die Tankstellen anschauen, die seit einigen Jahren wie Pilze aus dem Boden schiessen. Ja, die kleine Schweiz ist inzwischen das Land mit der vielleicht besten Tankstelleninfrastruktur der Welt.

Mit Autofahren hat das allerdings nichts zu tun. Die Tankstellenflut ist das indirekte Werk von Vater Staat. Er erlaubt es per Ausnahmen im Bundesrecht, dass Tankstellen- und Bahnhofshops geöffnet haben dürfen, wenn alle anderen Läden nach kantonalem Gesetz schliessen müssen. Das nutzen grosse Ketten natürlich aus, weil es sich lohnt. Weil die Leute halt doch länger einkaufen wollen, als es restriktive Öffnungszeiten im Kanton erlauben.

Jetzt machen sich dank Bundes-Ausnahmebestimmungen im Kanton Solothurn noch Kioske breit, die eigentlich kleine Läden sind und abends noch Alkohol und anderes verkaufen. Auch das zeigt: Für viele Leute sind die restriktiven Ladenöffnungszeiten einfach nicht mehr Alltag.

Alles Wehklagen hilft aber nichts. Denn das Volk (dasselbe, das in den Shops einkaufen geht) will das so. Es hat 2015 die restriktiven Öffnungszeiten an der Urne beschlossen. Und deshalb werden weiterhin Tankstellen in die Landschaft gesetzt, um einen Shop zu eröffnen. Die normalen Detailhändler gleich nebenan müssen weiterhin geschlossen halten, während ein anderer das Geschäft macht. Und die SBB wird dank der Mieten, die sie in den Bahnhöfen verlangen kann, auch weiterhin viel Geld machen. So hat es das Volk 2015 gewollt. Das Volk darf Nein sagen zu längeren Öffnungszeiten und trotzdem länger einkaufen. Das Volk darf alles – auch völlig widersprüchlich sein.

Lucien.Fluri@azmedien.ch

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