Lotterie- und Sportfonds

Wer hat noch nicht, wer will nochmal?

Überschüssige Gelder aus nationalen Gewinnspielen gehen an die Kantone.

Überschüssige Gelder aus nationalen Gewinnspielen gehen an die Kantone.

Wochenkommentar zum prall gefüllten Honigtopf Lotterie- und Sportfonds

Die Reaktionen liessen nicht auf sich warten: «Das ist wieder einmal eine typische Solothurner Mauschelei. Absolut unverständlich, wie leichtfertig da mit fremdem Geld herumgeworfen wird», oder aber «ach, was soll’s, diese Sportlerin musste lange genug schuften, damit sie ihre tollen Leistungen erbringen konnte. Nun kann sie richtigerweise ernten.» Es geht um unsere Geschichte, die aufgezeigte, dass die Weltklasseathletin Daniela Ryf aus Feldbrunnen Unterstützungsgelder beim kantonalen Lotterie- und Sportfonds eingefordert hat. Nicht ganz einen fünfstelligen Betrag hat sie tatsächlich auch erhalten, wie mehrfach in der Vergangenheit.

Einen gewichtigen Unterschied zu früher gibt es allerdings. Damals war die Triathletin nicht auf Rosen gebettet. Inzwischen hat sich das Blatt für sie gewendet. Dank Preisgeldern und Sponsorenverträgen ist sie in die Millionärskategorie geschwommen, geradelt und gerannt. Eine Traumkarriere, die längst nicht allen vergönnt ist. Dass die Sportlerin ihre Erfolge versilbern kann, wird kaum jemand ernsthaft infrage stellen. Dass sie jedoch zusätzlich den Lotterie- und Sportfonds angezapft hat, ist eine andere Geschichte.

Es gibt Dauergäste

Richtig, der grosse Skandal steckt nicht dahinter, zumindest was Ryf betrifft. Sie hat unmittelbar nach Veröffentlichung unseres Artikels reagiert und den 2015er-Lotteriebetrag der Nachwuchsförderung ihrer ehemaligen Sportvereine zur Verfügung gestellt. Wir gehen selbstverständlich davon aus, dass sie dies auch ohne die Medienberichterstattung getan hätte.

Alles paletti also? Leider nein. Sämtliche Fragen sind mit der grosszügigen Spende nicht vom Tisch. Fragen notabene, denen man sich einmal mehr beim Lotterie- und Sportfonds stellen sollte. Ganz offensichtlich gibt es Dauergäste, die sich um diesen üppig dotierten Honigtopf scharen. Dabei haben sich Automatismen entwickelt, die Franken und Rappen ungeachtet allfällig veränderter Verhältnisse sprudeln lassen. Anders ist es nicht erklärbar, dass Daniela Ryf erneut in den Genuss der vielen Tausender gekommen ist, obwohl sie nach eigenen Angaben das Gesuch gar nicht einreichen wollte. Ihr Management hat es dann aber doch gemacht (ach, immer diese Managements). Daraus ergibt sich: Bitte selbst bescheidenere Fondsbeiträge künftig nicht mehr einfach blind absegnen.

Gern gesehene Millionen

Die überschüssigen Gelder aus nationalen Gewinnspielen sind für die Kantone zweifellos willkommene Zuschüsse. Der Kanton Solothurn zum Beispiel konnte mit seinen rund 16 Millionen aus dem Jahr 2014 etliche Vereine, Organisationen und Einzelpersonen glücklich machen, die sonst leer ausgegangen wären. Ob immer die Richtigen und mit einem angemessenen Betrag zum Handkuss kommen, ist höchst umstritten. Sicher ist: Bescheidenheit zahlt sich nicht aus. Also lieber einmal mehr «betteln» statt kein Gesuch einreichen. Wie so oft gilt ganz offensichtlich auch hier: Wer am lautesten schreit, wird zuerst abgefüttert. Da liegen dann auch schon mal flotte sechsstellige Summen drin. Und wie steht es um die Transparenz bei der Vergabe dieser Gelder? «Es mönschelet» eben überall, ist man versucht zu sagen. Ein Blick in die schweizerische Mediendatenbank jedenfalls bestätigt diesen Eindruck. Allein für die vergangenen zwei Jahre stösst man auf über 2500 Berichte, die sich mit Lotterie- und Sportfonds beschäftigt haben. An wenig Schmeichelhaften mangelt es beileibe nicht. Mit andern Worten, der Kanton Solothurn ist zwar in guter respektive schlechter Gesellschaft, aber deshalb noch lange nicht aus dem Schneider. Die Forderung ist klar, auch wenn dem Kanton das zusätzliche Geld locker in der Tasche sitzt: Gesuche müssen in den Kommissionen mit der nötigen Distanz beurteilt werden, Dauerkunden sind regelmässig zu überprüfen, und es herrscht völlige Transparenz. Dabei kann die Regierung als gutes Beispiel vorangehen. Sie segnet ab, was Vorinstanzen einbringen, und kann über grössere Vergaben unabhängig bestimmen.

Übrigens: Der Betrag, den Ryf vom Fonds erhalten hat, fliesst nun als ihre Spende teilweise in andere Kantone – ob das im Sinne des Erfinders ist?

theodor.eckert@azmedien.ch

Autor

Theodor Eckert

Theodor  Eckert

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