Es gehört zur grossen Kunst der Politik, Sieger und Verlierer nach einem historischen Entscheid zusammenzuführen. Auf eine gemeinsame Position, zum Wohl aller. Doch warum soll im kleinen Solothurn gelingen, worum sie im grossen London schon seit Monaten ringen? Es war ähnlich knapp bei uns wie beim Brexit, am 20. Februar. SP, CVP/GLP und Grüne, im Gemeinderat eine Zweidrittelmehrheit, hatten es damals wegen neun lumpigen Stimmen nicht geschafft, Solothurn den Systemwechsel zur ausserordentlichen Gemeindeorganisation zu verpassen.

Schon damals beanspruchte jede Seite die Deutungshoheit zum knappen Verdikt: «Das Volk will keinen Wechsel», so die FDP/SVP – «das Volk möchte etwas ändern, doch ein Zufallsentscheid kostete uns die Chance dazu», meinen die Verlierer.

Nun, das Volk blieb recht lethargisch. Nur 37 Prozent, gut ein Drittel aller Stimmberechtigten, rafften sich überhaupt zur Willensbekundung auf. Umso erbitterter fightet man nun im Gemeinderat um die Positionen. Die Verlierer haben sich prompt wieder zusammengerottet und schon einmal alles, was die FDP zu bieten hatte, rigoros abgeblockt.

Keine Verkleinerung des Rats auf elf Mitglieder. Und gleich ihre Ideen für die Weiterarbeit der Arbeitgruppe in Sachen Gemeindeordnung durchgeboxt. Mitsamt der Wegnahme eines dritten FDP-Einsitzes in der Arbeitsgruppe, wie ihn bisher Stadtpräsident Kurt Fluri als Leiter innehatte. Die Ratsmehrheit setzt auf eine Machtdemonstration statt auf Konsens. Die FDP hat begriffen. Und ihre Motion zurückgezogen. Nun wird sie alles daransetzen, die Vorschläge der andern zu bodigen. Wir merken: Der Brexit ist überall – auch am Aarestrand.

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