Kommentar

Wenn Veteranen Rot sehen (sollten)

Auf dem Fussballplatz in Lommiswil wurde am 9. Oktober das 3.-Liga-Spiel gegen FC Fulgor Grenchen abgebrochen. uby

Auf dem Fussballplatz in Lommiswil wurde am 9. Oktober das 3.-Liga-Spiel gegen FC Fulgor Grenchen abgebrochen. uby

Klar nimmt Gewalt auf dem Fussballplatz zu. Am übelsten benehmen sich die sogenannten Vorbilder – die Veteranen. Schon in der Kabine wird angeheizt. Nicht nur mit Dul-X die Wadenmuskeln, auch verbal,
wie ich es immer wieder miterlebte.

Erfahrungen von Duellen aus den letzten Jahrzehnten werden ausgetauscht. «Den Meier nicht spielen lassen.» «Achtung, die Bellacher sind unfair.» «Die Lommiswiler spielen knochenhart.» Selber will man
Ball und Gegenspieler laufen lassen.
Und die Hitzigsten werden schon vor dem Spiel runtertemperiert. «Ruhig bleiben, nicht provozieren lassen. Kein Kommentar zum Schiedsrichter.»

Alles nur Worte. Tätlichkeiten gegen den Schiedsrichter habe ich keine gesehen, aber klar: Er ist eine «Pfeife». Manche Spieler sind sich nicht zu schade, ein ganzes Spiel lang den Schiedsrichter lauthals zu kritisieren.

Kaum ist man ausser Puste, was sehr schnell der Fall ist, beginnt das Spiel erst richtig. Da wird reingegrätscht (Veteranen!) und ausgeteilt, ohne mit der Wimper zu zucken oder gar sich zu entschuldigen. Wird man selber Opfer, schreit man wie am Spiess, dass den nicht vorhandenen Zuschauern das Blut in den Adern gefrieren würde, und anschliessend droht man Vergeltung mit tödlichem Blick.

Manche Spieler können nur mit grossem Einsatz davon abgehalten werden, den Gegner auf der Stelle zu vermöbeln. Die Schiedsrichter schauen weg. Sie lassen die Alten austoben in der Hoffnung, die Gewaltspirale überdreht nicht und die besonnenen Spieler können die unbesonnenen Spieler im Zaun halten. Meistens funktionierts, ab und zu nicht. Das liefert dann den Stoff für die Heldensagen nach dem Spiel in der Kabine.

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