In Hägendorf gibt es derzeit nur ein Gesprächsthema: den Konflikt an der Primarschule im Dorf. Der externe Schulevaluationsbericht zeigte schonungslos die Mängel der bisherigen Schulleitung um Thomas S. auf: vernachlässigte Personalführung; keine übergreifende pädagogische Idee, wo die Schule hinsteuern soll; den Lehrern überlassenes Qualitätsmanagement und eine Misstrauenskultur zwischen Schulleiter und den Lehrern, welche das Betriebsklima empfindlich stört. Dafür kassierte die Primarschule bei der Evaluation zwei rote (eine davon in eine graue umgedeutet) und zwei gelbe Ampeln.

Doch was geschah mit dem niederschmetternden Bericht der Fachhochschule Nordwestschweiz? Statt dass der Gemeinderat als Aufsichtsorgan gleich gehandelt und zusammen mit dem Kanton die ersten Massnamen eingeleitet hätte, erklärte der Gemeindepräsident Albert Studer die Sache quasi zur Privatangelegenheit und legte seine schützende Hand über die Schulleitung.

Der Bericht blieb monatelang unter Verschluss, weil Studer mit verschiedenen Punkten nicht einverstanden gewesen war und ihn zurückgewiesen hatte – was rechtlich damals gar nicht möglich war. Der jetzige Kantonsratspräsident Studer lieferte sich ein Hin und Her mit dem Kanton – mit dem Ergebnis, dass sich das Volksschulamt nun zumindest überlegt, ob künftig eine Beschwerde möglich sei. An den negativen Feststellungen im Bericht hat sich letztlich nichts geändert – ausser, dass die eine rote Ampel grau angemalt wurde.

Zwischen Herbst 2015 und Frühjahr 2016, bis der Bericht an die Öffentlichkeit kam, ging so wertvolle Zeit verloren, welche die Primarschule hätte gebrauchen können, um wieder auf Kurs zu kommen. Doch hier muss sich nicht nur Gemeindepräsident Studer an der Nase nehmen, sondern auch der Kanton, welcher wegen der roten Ampeln die Pflicht gehabt hätte, früher einzugreifen. Wer an den beiden Infoveranstaltungen Anfang Februar und diese Woche gesehen hat, was sich für ein Frust bei gewissen Eltern und Lehrern angestaut hat, weil sie sich nicht ernstgenommen fühlen, muss sich nicht über hochgekochte Emotionen wundern.

Doch bevor der Konflikt nun endgültig auch noch auf die Schüler übergreift – bisher hat ein Fünftel der Lehrerschaft gekündigt und die Ressortleiterin Bildung das Handtuch geworfen –, muss es jetzt ein Ende mit Schrecken geben. Wenn der Gemeinderat als Aufsichtsorgan nicht den Mut hat, und der Kanton, dem rechtlich die Hände gebunden sind, es nicht tun kann, dann müsste der Betroffene nun selbst handeln: Wenn der Schulleiter trotz allen Durchhalteparolen die Grösse zeigen könnte, den Platz freizumachen, wäre damit allen gedient: dem Schulleiter selbst und seiner Familie, welche ebenfalls unter den Vorwürfen zu leiden haben; den Lehrern, die trotz gestörtem Betriebsklima weiter unterrichteten; sowie dem Ruf der Schule insgesamt.

Auch wenn mit S.' Abgang nicht alle Probleme gelöst und er nicht alleine Schuld ist für die Mängel an der Schule: Das Vertrauen in seine Person von den Lehrern, aber auch von den Eltern ist weg. Die Situation sieht so ausweglos aus, da hilft auch ein renommierter Mediator oder ein schnell neu aufgegleistes Schulleitungsmodell nicht mehr. Es braucht nun einen Neuanfang mit einer Führungspersönlichkeit, welche die Mängel an der Schule unbelastet anpacken kann.

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