Seit die 28. mia ihre Tore geschlossen hat, hat die Stunde der Besserwisser geschlagen. Alle haben es kommen sehen. Dass es nicht geht mit dem Eintrittsbillett, dass man die Stände anders anordnen sollte, dass es mehr Aussteller braucht, dass es mehr Publikum, ein attraktiveres Programm, einen näheren Lunapark, mehr Restaurants und einen gedeckten Festplatz braucht ... – Einfach, dass es so nicht funktioniert.

Sicher haben die mia-Organisatoren Fehler gemacht, haben nicht auf den Rat Einheimischer gehört, sind eigene, neue Wege gegangen. Fakt ist aber: Es hat eine mia stattgefunden, mit weniger Publikum und weniger Umsatz, aber beispielsweise mit gut besuchten Konzerten. Und längst nicht alle Aussteller stossen ins Horn der Unzufriedenen, die jetzt vom Organisator Geld zurück wollen.

Dass die Laufkundschaft aus Grenchen und Umgebung fehlte, war sicher eines der Hauptübel der heurigen mia. Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Aber aufgepasst – und dies wurde an dieser Stelle schon erwähnt: Wie kann man Gratisbillette unters hiesige Volk bringen, wenn keine Aussteller aus Grenchen mitmachen? Wenn Grenchner Gewerbler, anstatt sich für die mia zu engagieren, sich gegenseitig davon abraten, daran teilzunehmen? Da läuft es an der HESO in Solothurn aber ganz anders: Ein eingeschworenes Team von Einheimischen organisiert, motiviert sich gegenseitig und zieht so weitere Aussteller von nah und fern an. Vor allem auch von nah.

Damit zu einem weiteren Problem: Von Frauenfeld aus eine Messe in Grenchen zu organisieren, ist schwierig. Sehr schwierig. Man sieht es, wenn man beobachtet, welche Mühe der einheimische Gewerbeverband GVG selber hat, eine Handvoll Aussteller für die Gewerbeschau am Grenchner Fest im Herbst zu finden. Es geht um mehr als um geografische Distanz. Da steckt der Wurm irgendwie tiefer im Gebälk, als man zu denken wagt.

Denn gleichzeitig stampft der ehemalige GVG-Präsident eine Gewerbeausstellung im Nachbardorf aus dem Boden, die sich gewaschen hat. Wo alle solidarisch dabei sind, auch Konkurrenten am selben Strick ziehen, sich Sponsoren für alles und jedes finden lassen. – Wie kann das sein?

Die mia steht zweifellos an einem Scheideweg. Kann sie weiterfahren mit dem Mischkonzept zwischen Jahrmarkt und Messe? Wenn sich Organisator Sandro Keller nicht entmutigen lässt und ein paar Ratschläge beherzigt, könnte es weitere mias geben. Die Frage, ob für ihn die Rechnung aufgeht, kann Keller aber nur selber beantworten.

Dass ausgerechnet Grenchen als Experimentierfeld zum Ausstieg aus der Gratiskultur gewählt wurde, mag Zufall sein oder situativ bedingt durch die Veränderungen bei der Messeorganisation. Eines ist aber klar: Der Weg wird lang und hart sein, so er denn überhaupt gelingen kann. Denn solange alle auf die HESO zeigen können und sagen, dort funktioniere es auch, hat ein «Change Manager» schweren Stand.

Falls der Veranstalter, der ja einen mehrjährigen Vertrag mit der Stadt hat, das Handtuch wirft, dann braucht es ein paar Grenchner, die dieses auffangen. Es braucht ein schlagkräftiges Team, welches das Dossier mia in die Hand nimmt. In Grenchen gibt es diese Leute, auch wenn sie bisweilen das Heu nicht auf der gleichen Bühne haben. Doch sollten sie über diesen Schatten springen können, sonst gehören sie nicht in dieses Dream-Team. Wichtig ist, dass das OK gross genug wäre, damit sich die Arbeit verteilt und niemand ausbrennt. Und es darf sich niemand erhoffen, dabei reich zu werden.

Hier einige Namen, die wir womöglich gerne im neuen mia-Team sehen würden: Ruedi Spielmann (OK-Präsident?), Caroline Möri (ja, sie ist zurück), Dagobert Cahannes, Peter Traub, Lara Näf, Markus Arnold, André von Arb und Silvan Granig. Einfach mal zum Überlegen.