Olten hat es vorgemacht, Solothurn macht es nicht nach. Die Integration der Stadt- in die Kantonspolizei wurde von der Solothurner Gemeindeversammlung geradezu turmhoch abgelehnt.

Nein, so einfach lässt man sich das eigene Korps nicht wegintegrieren, fanden über 400 Bürgerinnen und Bürger. Nur ein kleines Häuflein folgte den streng rationalen Argumenten des SP-Motionärs Klaus Koschmann: Geld sparen, Überschneidungen vermeiden und doch den gleichen Sicherheits- und Dienstleistungsstand behalten, das wär doch was. Interessierte niemanden.

Denn Koschmann fehlte der Instinkt für den richtigen Zeitpunkt. Es sind und waren Wahlen in Solothurn. Da mag sich niemand, auch in den eigenen Reihen, die Finger verbrennen. Solothurn braucht kein Geld, es hat jede Menge davon. Aber auch in Solothurn hat man den Abbau von Service public satt: das Streichen von Poststellen oder auch des Fussball-Angebots von öffentlich-rechtlichen Sendern.

Das Volk stand also auf und bekam seinen Wunsch erfüllt: die als bürgernah eingestufte Stadtpolizei bleibt. Dafür opferten Hunderte einen Sommerabend und schwitzten im stickig heissen Landhaussaal bei Endlos-Projektionen des Finanzverwalters und des Direktors der Regio Energie. Sie wollten ihr Mitbestimmungsrecht ausüben, auch wenn das Vorhaben auf eine harte Probe gestellt wurde. Die 450 Anwesenden stehen aber auch für 10 Prozent jener schwachen Hälfte von städtischen Stimmberechtigten, die Politik überhaupt noch wahrnimmt. Die schon oft totgesagte Gemeindeversammlung lebt also noch und ist ein taugliches Entscheidmittel. So einfach wird sich Solothurn auch diesen Service public nicht nehmen lassen.

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