Kommentar

Von der Lex Grill zur Lex Marroni?

Die Hoffnung für weitere Outdoor-Würste ist verpufft.

Die Hoffnung für weitere Outdoor-Würste ist verpufft.

«Gleichbehandlung» lautete das grosse, oft in den Mund genommene Wort in der «Lex Grill»-Debatte im Gemeinderat. Und Fragen kamen auf: Den Restaurants würden reglementarisch aufwendige Lüftungssysteme aufs Auge gedrückt. Wieso sollten Outdoor-Grills dann ohne davonkommen? An der Gurzelngasse würden die Grillwürste brutzeln. Aber vielleicht nicht an der Schaalgasse, wenns den Anwohnern stinkt. Warum nicht? Und wie müssten die Konzessionsbedingungen geschaffen sein, damit nicht einer die grösseren Würstchen braten kann als ein anderer? Diese Diskussionen haben sich in Solothurn nun eh erledigt. Die Mehrheit des Gemeinderats hat entschieden: Die Wurst muss von der Gasse ins Haus.

Damit hat der Rat aber die Frage nach Gleichbehandlung nicht gelöst, sondern neu entfacht. Die FDP schlägt Buvetten nach dem Vorbild von Baselstadt vor. Diese sollen wohl den Frust über das Grillverbot kompensieren – aber bitteschön ausserhalb der Altstadt. Womit diese dann aber gegenüber dem «Umland» ins Hintertreff gerät. Dann gibt es immer noch jene, die auch im Status quo dürfen, was sie seit jeher durften. Bei der Metzgerei Wälchli riecht es gewohnheitsrechtlich nach Wurst. Und auch beim «Cheschtelemuni» steigen munter Marroni-Düfte auf – zumindest, bis der Betreiber wechselt.

Der «Cheschtelemuni» störe niemanden und sei Tradition, lautet Kurt Fluris opportunistisch anmutende Antwort dazu. Gleichzeitig warnt der Stadtpräsident davor, schlafende Hunde – in Form von überempfindlichen Einsprechern – zu wecken. Doch das Bundesrecht, mit dem das Stadtpräsidium ihren Standpunkt gegen die Motion Roths verteidigt hat, gilt auch für beide letztgenannten Betriebe. Tradition hin oder her.

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