Es ist gut 19 Jahre her, da weinte Roger Federer in Marseille bittere Tränen, nachdem er den ersten Final seiner Karriere gegen Landsmann Marc Rosset verloren hatte. Er meinte, er wisse nicht, ob er es noch einmal so weit schaffe. «Ich sagte, er solle aufhören, zu weinen. Er werde noch viele Titel gewinnen», sagte Marc Rosset. Er sollte recht behalten. Es wurden viele Titel. Und viele Rekorde.

Mit dem 100. Titel in Dubai setzt Roger Federer einen weiteren Meilenstein. Er ist Ausdruck phänomenaler Konstanz, aber auch Produkt bemerkenswerter Konsequenz und Kompromisslosigkeit. Oft verzichtete er auf den Davis Cup und stand deswegen in der Kritik. Doch Federer hatte immer einen langfristigen Plan und scheute auch vor unpopulären Entscheidungen nicht zurück. Hatte er das Gefühl, er brauche neue Impulse, entliess er auch einmal einen Trainer.

Doch sein engestes Umfeld ist noch immer dasselbe wie vor zwei Jahrzehnten. Mit Mirka, heute seine Frau und die Mutter der gemeinsamen vier Kinder, war er schon zusammen, als er noch keinen Titel gewonnen hatte. Fitnesstrainer Pierre Paganini kannte er schon als Teenager und Severin Lüthi bewegte sich schon damals in seinem Dunstkreis. Den Aufstieg in den Tennis-Himmel haben sie mitgeprägt, nicht nur miterlebt.

Der 100. Titel ist kein Rekord, Jimmy Connors (109) ist noch weit entfernt. In Dubai flossen bei Federer keine Tränen. Für ihn ist die 100 nur eine Zahl. Auch im Alter von 37 Jahren gehört er zu den Weltbesten. Und diese messen sich nicht an Titeln in Dubai, sondern an solchen in Paris, London und New York.