Tote Rinder von Boningen

Veterinärdienst wird entlastet – Fragen bleiben

Ein Nervengift verursachte das Rindersterben auf dem Bauernhof.

Ein Nervengift verursachte das Rindersterben auf dem Bauernhof.

Fall Boningen: Die Behörde hat laut Untersuchungsbericht richtig gehandelt.

Die Empörung war gross, als Ende Mai letzten Jahres bekannt wurde, dass auf einem Bauernhof in Boningen 16 Rinder qualvoll verendeten. Ins Schussfeld der Kritik geriet nicht nur der für das Tierdrama verantwortliche Bauer, sondern auch der Veterinärdienst des Kantons Solothurn. Schliesslich machten Nachbarn mit Bildmaterial publik, dass sie den Tierschutz und den Veterinärdienst seit langem über Missstände auf dem entsprechenden Hof informiert hatten. Und die Tatsache, dass zwischen der letzten Tierkontrolle und der Tiertragödie nur gerade drei Monate lagen, nährte den Verdacht von Schlamperei bei der Überprüfung des Risikobetriebes. So erzeugte zum einen viel Unverständliches teilweise harsche Reaktionen.

Zum andern erhielt der Veterinärdienst nun mit der Weihe eines externen Experten der Universität Zürich auf der Grundlage eines verwaltungsinternen Untersuchungsberichtes quasi eine Reinwaschung verpasst. Doch: Dass sich der Veterinärdienst an die gesetzlichen und übergeordneten Vorgaben gehalten hat, ist das eine, was bei der Tiertragödie von Boningen unverständlich ist und bleibt, das andere.

Felix Lang, bis vor kurzem Präsident von Bio Nordwestschweiz, der im Solothurner Kantonsrat zum Tierdrama Boningen interpelliert hatte, trifft mit seiner Beurteilung des Untersuchungsberichtes den Nagel auf den Kopf: Er ist korrekt, aber tendenziell als Verteidigungsschrift für den Veterinärdienst verfasst. Damit ist dessen Glaubwürdigkeit kaum zu stärken. Denn Zweifel und Fragen konnten nicht vollständig ausgeräumt werden.

Wie dem auch sei, in Anbetracht der Tragik des Tierdramas und der Reaktionen darauf, wäre es der zuständigen Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler nicht schlecht angestanden, bei der Präsentation der Untersuchungsergebnisse dabei zu sein. Jetzt bleibt nämlich auch hier eine Frage zurück: Scheute sie unbequeme Fragen?

beat.nuetzi@azmedien.ch

Autor

Beat Nützi

Beat Nützi

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