Die Landeskirchen haben es nicht leicht. Immer mehr ihrer Schäfchen verlassen die behütete Weide – die Zahl der konfessionslosen Schweizerinnen und Schweizer steigt. Zurückzuführen ist das unter anderem auf vermehrte Kirchenaustritte und die Abnahme von Kindstaufen.

In einzelnen Gemeinden im Kanton Solothurn zahlen Eltern von konfessionslosen Kindern einen Beitrag von 200 Franken, wenn sie ihr Kind in den Religionsunterricht der Schule schicken wollen. Dieser obliegt der Verantwortung der Landeskirchen. Die Kirche rechtfertigt die Gebühr mit dem Gerechtigkeitsgedanken, immerhin zahlen Konfessionslose keine Kirchensteuer und tragen somit nichts zur Finanzierung des Religionsunterrichts bei. Damit haben sie natürlich völlig recht – aber ist das der richtige Ansatz? Schliesslich könnte man doch annehmen, die Kirche sei interessiert, konfessionslosen Kindern den christlichen Grundgedanken zu vermitteln.

In Zeiten des Mitgliederschwunds wäre es für die Kirche angezeigt, Basisarbeit zu leisten, um das angeschlagene Schiff wieder auf Kurs zu bringen. Stattdessen kapselt sie sich ab, indem sie eine finanzielle Hürde für «andere» Kinder errichtet.

Der Beitrag für den Religionsunterricht gilt übrigens auch für Schüler anderer Religionen, beispielsweise für muslimische Kinder. Auch hier verpasst die Kirche die Chance, Verständnis zu schaffen und Misstrauen abzubauen, indem andersgläubige Kinder kostenlos zum christlichen Religionsunterricht eingeladen werden.

In Zeiten weltweiter religiöser Konflikte wäre das zwar eine winzig kleine Geste – aber es wäre eine.

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