Weihnachten, Neujahrstage, Skiferien, Abstimmungsschlacht zur Unternehmenssteuerreform III, Ski-Weltmeisterschaften, Lara Guts Kreuzbandriss, Fasnacht ... Und auch auf der weiten Welt überschlagen sich die Ereignisse. Aber war da nicht noch etwas anderes? … Ach ja, da finden ja irgendeinmal auch noch kantonale Wahlen statt.

Tatsächlich: In genau vier Wochen, am 12. März, wählen Solothurnerinnen und Solothurner ihr Parlament und ihre Regierung neu. Die Wählerinnen und Wähler bestimmen, wer bei uns in den nächsten vier Jahren politisch den Ton angeben darf: Eher die Lauten, die Schrillen – oder doch lieber die Konstruktiven und sogar die einen oder anderen Stillen?

Lieber bunte Narren als farblose Politiker?

Von jedem Strassenlaternenpfahl herab strahlen uns die hübsch herausgeputzten Kandidatinnen und Kandidaten aller Parteien ebenso gewinnend an wie aus mehr oder weniger originellen Inseraten. Journalistinnen und Journalisten schreiben sich in der Zeitung die Finger wund oder sprechen sich am Sender die Kehle heiser, um die Wählerschaft auf die Wahlen einzustimmen. Da werden Parteien und Kandidierende sowie deren Programme vorgestellt, wird Bilanz gezogen über einst Versprochenes und inzwischen (nicht) Geleistetes.

Ist Ihr Interesse bereits geweckt? Oder haben Sie mit der Politik und den Politikern eh nichts am Hut? Interessieren Sie die Schneehöhe in Ihrem Skiferiengebiet oder das Abschneiden der Schweizer Ski-Cracks in St. Moritz mehr als die Wahlversprechen der Kandidierenden? Oder ist Ihre Vorfreude auf die Fasnacht und all die bunt maskierten und verkleideten Narren derart gross, dass daneben die Kandidaten in ihren Prospekten und auf Plakaten sowieso als völlig farblos untergehen? Können sich Politikerinnen und Politiker noch so fest anstrengen – finden deren Argumente bei Ihnen wegen der schaurig-schönen Klänge und Rhythmen der Guggen sowieso kein Gehör?

Schade. Sie verpassen damit einiges. Vielleicht entscheidende Informationen darüber, wie es mit diesem Kanton und uns Bewohnern in Zukunft weitergehen soll. Die Demokratie lebt von jenen, die sie mitgestalten und weiterentwickeln. Und die Demokratie kann verkümmern oder pervertieren, wenn zu viele Bürgerinnen und Bürger ihr den Rücken zuwenden, die Geschicke des Landes dem Zufall überlassen. Grund genug also, sich trotz aller anderen Ablenkungen die Zeit zu nehmen: Dafür, die 505 Kandidierenden für den Kantonsrat genauer unter die Lupe zu nehmen – erst recht die vier Frauen und vier Männer, die sich um einen Regierungssitz bewerben. Und dafür, die Wahlzettel einzuwerfen. Ein Narr, wer dies nicht tut. Und erst ein bedauernswerter Narr. Denn ein Abseitsstehen kann sich weit über die Zeit der närrischen Tage hinaus negativ auswirken. Bezüglich der Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie nur einmal manche Wahlprospekte.

An der Fasnacht lässt sich gemeinsames Anpacken üben

Apropos Fasnacht. Immerhin während dieser Zeit findet in weiten Teilen des Kantons so etwas wie die grosse Völkerverständigung statt: Dann musizieren (politisch) Gelbe, Schwarze, Rote, Grüne und … sogar jene der Sünneli-Partei gemeinsam in der Guggenmusik. Sie geben miteinander Schnitzelbankverse zum Besten, werfen Konfetti von demselben Umzugswagen. Sie stehen an der gleichen Bar und stossen dort friedlich vereint auf die fünfte Jahreszeit an.

Vielleicht eine gute Übung für all das, was der Ernst des Alltags in den restlichen vier Jahreszeiten mit sich bringen wird: Ein Training zum Anpacken all der Probleme, die auf der politischen Agenda anstehen und die auch nur gemeinsam, mit vereinten Kräften, bewältigt werden können. Denn diese Herausforderungen verschwinden nicht von selbst, wie das Räuschchen nach dem Maskenball oder die letzten Schneehäufchen an der hoffentlich bald siegreichen Frühlingssonne. Im Gegenteil: Für die Kandidierenden gibt es zu viel zu tun – als dass wir Wählenden es bleiben lassen dürften.