Das Recht auf den eigenen Baum im Garten ist ein hohes Gut. Da lässt sich auch kein Gartenbesitzer gerne dreinreden. Bis ein Wintersturm wie «Burglind» übers Land fegt. Und die Freude des einen dem andern aufs Dach fällt. Glück, wenn dabei niemand umkommt oder schwerer verletzt wird. Trotzdem, für die Betroffenen, also die Getroffenen, eine üble Sache, wie das Beispiel an der Solothurner Bergstrasse zeigt. Oft fallen Schäden an, die keine Haftpflichtversicherung deckt, von den Umtrieben ganz zu schweigen. Zurück bleiben auch traumatisierte Hausbewohner, die sich umso mehr fürchten, wenn weitere Bäume das Desaster überlebt haben – und beim nächsten Sturm auf den Kopf stürzen könnten.

Noch vertrackter wirds, wenn die Hausbesitzer Amtsstellen vor dem nächsten Mal schriftlich warnen, und es dennoch geschieht – weil nichts geschehen ist. Oder richtigerweise nichts geschehen konnte. Weil der Baumbestand unter Schutz steht. Weil alle Auflagen zur Baumpflege und -sicherung erfüllt sind. Weil kein Baum erkennbar todkrank ist. Und vor allem, weil es ein Recht auf den eigenen Baum im Garten gibt. Also Kopf einziehen und beten.

Es gibt noch einen Weg, der erfolgreicher als das Anklopfen bei Amtsstellen ist, die rechtlich ohnmächtig auf den nächsten Sturm warten müssen: den direkten Gang zum Nachbarn. Um mit ihm das Problem anzusprechen, zu verhandeln. Vielleicht ist es diesem auch nicht ganz geheuer. Vielleicht lässt er den gefährlichen Baum gar entfernen – gegen eine Kostenbeteiligung oder auch nur für die Einladung zu einer Grillparty ohne Risiken von oben.