Man kennt sie als erfolgsverwöhnt, siegessicher und straff organisiert. Wer bei der SVP vom vermeintlichen, von oben vorgeschriebenen Erfolgspfad abweicht, mit dem geht man nicht zimperlich um. Das zeigt sich nun auch in Solothurn: Kantonalparteipräsident Silvio Jeker muss gehen.

Kein Wunder: Wie eine verkehrte SVP-Welt müssen die vergangenen Wochen – auch eingefleischten – Parteigängern – vorgekommen sein. Wir erinnern uns: Das sind Wahlen, die Partei verliert im Kantons- und Regierungsrat viel mehr als erwartet – und der Parteipräsident grüsst derweil aus dem warmen Thailand all jene, die in der Solothurner Kälte für den Wahlerfolg schuften. Und wenig später unterstützt eine Amteipartei lieber zwei linke Regierungsratkandidatinnen als die bürgerliche – und der Präsident kann seine Schäfchen nicht kontrollieren.

Jeker ist vom Erfolg abgewichen und jetzt mit Rücktrittsforderungen bestraft worden. In jeder anderen Solothurner Partei wäre dem Parteipräsident wohl nicht so das Messer an die Brust gesetzt worden. Sitzverluste waren andernorts selten Grund dafür, dass einer gehen musste. Doch in der SVP gehts anders zur Sache: Zuletzt wurde Nationalrat Roland F. Borer aus der eigenen Partei desavouiert: Man forderte in Inseraten – erfolgreich –seine Abwahl.
Ist das schlecht? Nicht nur. Es zeigt, dass hier Leute ihre politische Arbeit ernst nehmen und hart für den Erfolg kämpfen. Das kann eine selbstreinigende Wirkung entfalten, wie der Fall Borer zeigte. Auf persönlicher Ebene aber hinterlässt das unschöne Verletzungen bei all jenen, die sich wie Jeker mit grossen Engagement ehrenamtlich eingesetzt haben. Aber was zählt das schon, wenn es um den Erfolg der Partei geht?

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