Die Verselbstständigung der Stadtwerke vor 23 Jahren hat sich für Grenchen gelohnt. Ein regelmässiger Obolus an die Stadtkasse, der mehr als dreimal höher ist als vor 1995, spricht Bände. Dennoch sind viele Einwohner mit der SWG unzufrieden. Ursache ist eine vor vier Jahren übernommene Baufirma, welche seither die Grenchner Strassen dank einem «einzigartigen» von ihr entwickelten Bausystem in einen Flickenteppich verwandelt. Einziger Vorteil: Für den Ersatz von Werkleitungen muss weniger Strassenraum aufgebrochen werden, was billiger ist.

Optisch und komfortmässig ist das Ganze aber sicher kein Fortschritt. Ein Verfahren, das für die Verlegung von Gasleitungen unter der Aare hindurch entwickelt wurde, ist nun einmal im städtischen Strassenraum, wo alle paar Meter neue Leitungen auf unterschiedlicher Höhe verlaufen, nicht praktikabel. Das sollte die SWG allmählich einsehen.

Heikel ist weiter, dass die SWG beim Ersatz der Röhren unter Grenchens Boden die Baulose so stückeln kann, dass sie die Aufträge an die eigene Firma vergeben kann und nicht öffentlich ausschreiben muss. Vor zwei Jahren, als wir dies anlässlich der «ewigen Baustelle Däderizstrasse» thematisierten, wies die SWG dies zurück. Wir wollen nichts unterstellen, doch wer kann das am Ende kontrollieren?

Natürlich hat es auch Vorteile, wenn in Grenchen noch eine namhafte Baufirma existiert, die in der Stadt Steuern zahlt. Dies wäre ohne die SWG-Tochter nicht mehr der Fall. Doch vermag dieser Vorteil die anderen gravierenden Nachteile zu überwiegen? Wir meinen nein und hoffen, dass die Politik das Dossier Panaiia & Crausaz wieder öffnet. Viele Grenchner möchten dies auch, wie die Gemeindeversammlung zeigte. Diese hat nämlich – unhaltbare Wutbürger-Voten hin oder her – einen Warnschuss vor den Bug der SWG abgefeuert.

andreas.toggweiler@azmedien.ch