Sie solle ihre Haare doch offen tragen. Zusammengebunden sei irgendwie doof. Das sagte an einem Fest in Solothurn ein Fremder zu einer meiner Freundinnen. Dann ging er einfach weiter. Im Glauben, dass er ihr einen Gefallen getan hat. Überzeugt, dass sie – dankbar für diesen Ratschlag – auf die nächste Toilette rennt und ihre Frisur verändert. Das hat sie natürlich nicht gemacht. Sie hat sich nur etwas genervt.

Klingt banal – es geht aber um viel mehr als eine Frisur. Es geht um die unnötige Angewohnheit so einiger, so oft so gar nicht konstruktive Kritik rauszulassen. Oder dann gar Beleidigungen. Nur weil ihnen irgendwas an irgendwem nicht passt und sie das Gefühl haben, ihre Meinung bringe irgendwem irgendwas. Weil sie finden, die anderen «provozierten» es ja und «müssen sich nicht wundern», ob Aussagen wie: «Du könntest Dich also wirklich etwas mehr schminken», «Zieh doch was anderes an – Du siehst aus wie eine Nonne», «Du solltest vielleicht nicht so viel Make-up tragen», «Schau mal dieses Kleid – so eine Schlampe».

Solche Kommentare fallen am Aaremürli, im Zug, an Dorffesten. Mal schreien Betrunkene Stuss herum, mal tuscheln Frauen-Grüppchen absichtlich laut, oder dann schlagen entfernte Bekannte diesen «Ich-meine-es-nur-gut-mit-Dir»-Tonfall an. Frustriert oder einfach gelangweilt? Warum auch immer sich manche Leute mit solchen Gedanken über andere beschäftigen – anderen damit die Laune zu verderben bringt gar nichts.

«If you can’t say something nice, don’t say nothing at all.» Wenn Du nichts Nettes zu sagen hast, sag doch einfach gar nichts. Oder sag doch mal was Nettes. Ganz einfach: «Schöne Frisur!»

Noelle.Karpf@azmedien.ch