Kürzlich strahlten sie uns an: Von einem Werbeflyer aus. Auf Initiative der Solothurner Wirtschaftsverbände warben Finanzdirektor Roland Heim und Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler für die Unternehmenssteuerreform III. Sie priesen die Tiefsteuerstrategie, die der Kanton bei der Umsetzung der USR III anstrebt. Über Risiken und Nebenwirkungen kein Wort.

Diese nennen jetzt andere. Unverdächtige; nicht die Linken, deren Widerstand hier notorisch ist. Es sind Kirchenkreise, die den Verlust von Millionenbeträgen für ihre karitativen Tätigkeiten und für die Renovation historisch wertvoller Gemäuer fürchten. Es waren zuvor schon Gemeindevertreter, die nicht wissen, wer ihnen die drohenden Millionenausfälle ersetzen soll.

Beide Kreise schiessen zwar nicht (direkt) gegen die Abstimmungsvorlage vom 12. Februar. Sie fürchten ein Ja trotzdem. Weil sie nicht wissen, was auf sie zukommt. Sie sollen zu etwas Ja sagen, dessen – möglicherweise verheerende – Folgen sie nicht kennen. Weil ihnen bisher noch kein Kantonsvertreter erklärt hat, wer ihnen die Millionenausfälle an Steuergeldern ersetzt.

Sie fürchten, sich bei einem Ja am 12. Februar auf einen Blindflug einzulassen, der im finanziellen Absturz enden könnte. Und mit ihnen, das ist das Gefährliche für die Vorlage, könnten auch andere den Flug fürchten: Sozial Schwächeren droht Leistungsabbau. Der Mittelstand könnte durch höhere Steuern weiter geschröpft werden.

Der Mittelstand und die sozial Schwächeren: Als «Abgehängte», als «Globalisierungsverlierer», als solche, die Angst vor dem Abstieg haben, wurden genau sie nach Brexit, Trump-Wahl und Co. von der Politik in den Mittelpunkt gerückt. Als die, die ernst zu nehmen sind. Jetzt hören sie wieder wenig «von denen da oben».

Ein paar erhellende Worte der Regierung, wie sie den Ausfällen entgegenwirken will, würden der Abstimmungsvorlage vom 12. Februar gewisse mehr nützen als werbende Regierungsräte auf Flyern der Wirtschaftsverbände.