Das Ende vom Familienleben wurde ausgerufen, als die Solothurner 2015 über die moderate Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten abstimmten. Jetzt gilt das neue Gesetz seit einem Jahr. Und es blieb ruhig. Sehr ruhig sogar. Denn faktisch hat sich wenig geändert. Die Stunde, die Geschäfte samstags länger offen sein dürfen, nutzen nur Grossverteiler.

Weil sie über Halb-Preis-Angebote die Besucherfrequenz besser steuern können. Und weil sie Schnauf haben, auch mal bei wenig Kunden durchzuhalten. Die meisten Läden aber bleiben zu. Es gibt Zeiten, da will der gemütliche Durchschnittssolothurner offenbar nicht einkaufen. Auch sonntags stehen nur in ein paar wenigen Familienbetrieben die Betreiber selbst hinter der Theke ihres Lebensmittelladens. Sie schliessen freiwillig meist schon mittags – Stunden bevor sie müssten.

Man könnte also sagen: Alles bestens. Der Konsument steuert mit, der freie Markt richtet es. Doch so ganz stimmt das nicht. Denn längst nicht alle haben gleich lange Spiesse: Gesetzliche Regulierungen schaffen noch immer viele Privilegien. An vorderster Front zu nennen sind Bahnhofshops und Tankstellen.

Das Gesetz bevorzugt sie: Sie dürfen unter der Woche länger offen sein als alle anderen. Und sie dürfen sonntags – im Gegensatz zu allen anderen Lebensmittelläden – Angestellte beschäftigen. Wen interessierts, dass sie nur das Nötigste für die Reise anbieten dürften?

Es gibt in der Region einige Fälle, die mehr Lebensmittelladen mit Tankstelle als Tankstelle mit den nötigsten Lebensmitteln sind. Der Gesetzgeber schaut weg – und bevorzugt einige wenige. So gibt er beispielsweise den Bundesbahnen, welche Bahnhofsimmobilien für Läden vermieten, einen willkommenen Zustupf. Liberal und fair ist das längst nicht immer.