Ja, ich habe meine Freunde mit Pikachu und Co. vollgeschwärmt, bin Umwege gegangen, nur um einige Pokémons mehr zu fangen, und ich hab mich laut aufgeregt, wenn sich ein kleines Monster erst beim fünften Versuch einfangen liess.

Knapp zwei Wochen nach dem Spielstart aber, kam sie, die Erleuchtung. Mittagspause: Meine Kollegin erzählt mir, was ihr auf dem Herzen liegt. Wir sind auf dem Weg ins Resti und ich hab schon instinktiv das Pokémon-Go-App geöffnet. Meine Augen sind auf den Bildschirm konzentriert, mein Kopf aber ist an mehreren Orten. Während meine Kollegin von ihren Sorgen erzählt, erscheint ein rosa Pokémon namens «Pummeluff». Den will ich.

«Eben, und er hat wirklich ...»

Ich bleibe stehen und werfe ein Pokeball nach dem Monster.

«Und überhaupt ...»

Mist, er ist wieder abgehauen. Zweiter Anlauf.

«Weil es ist ja wirklich eine ernste Sache ...»

Mist, schon wieder ist das Ding ab.

«Und was soll ich jetzt tun?»

Was? Scheisse, ich habe keine Ahnung, von dem, was meine Kollegin gerade erzählt hat. Und es war was Wichtiges. Ich fühl mich mies. Sie lacht, nimmts mit Humor. Ich nicht und rühre die App am selben Tag und an den darauffolgenden Tagen nicht mehr an.

Mittlerweile habe ich sie gelöscht und habe mein Fazit gezogen. Das Spiel mag wohl für Gamesüchtige, die sonst nur stundenlang am TV kleben und dank dem Spiel nun bei jeder Gelegenheit draussen sind, ein Schritt in die richtige Richtung sein. Für die anderen aber, ist es im sozialen Sinne ein Schritt zurück.

 deborah.onnis@azmedien.ch