Persönlich

Physischer Abstand – und sozialer?

In Zeiten von Corona wird oft nicht einmal mehr gegrüsst.

In Zeiten von Corona wird oft nicht einmal mehr gegrüsst.

Auch nach intensiver Lektüre der bundesrätlichen Notverordnungen bin ich nicht fündig geworden: Gemäss meiner bescheidenen Recherche ist es gemäss Stand der Irrtums immer noch erlaubt, sich zu grüssen. Nein, selbstverständlich ist damit nicht gemeint, dass sich die Leute, fremde und wildfremde, auf offener Strasse in die Arme fallen. Schon gar nicht zu reden von der schon vor diesen pandemischen Zeiten eher überflüssigen Küsschen-Küsschen-Küsschen-Begrüssung.

Es geht schlicht und einfach darum, ob wir uns weiterhin als soziale Wesen im öffentlichen Raum bewegen oder nicht. Und ob wir, wenn wir auf unbelebter Strasse einem Zeitgenossen begegnen, diesen unter Einhaltung des vorgeschriebenen Sicherheitsabstands mit einem «Grüezi», «Guten Morgen» oder Guten Abend» wahrnehmen oder nicht.

Meine Beobachtung ist: Man schaut sich im besten Fall noch kurz an, verzichtet aber darauf, den Mund zu öffnen. Physisches Abstand halten ist ein Gebot der Stunde, gewiss. Aber die soziale Entfernung, die uns zunehmend umgibt, weil unsere Selbstisolation schon beim bewussten Verzicht auf das Grüssen beginnt, macht mir etwas Sorgen.

balz.bruder@chmedia.ch

Autor

Balz Bruder

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