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Olten – die wahre Hauptstadt des Kabaretts

Max Uthoff eröffnete die 32. Oltner Kabarett-Tage. Der heimliche Star des Abends war jedoch eine stumme Klangschale, die Wasser auffing.

Einmal mehr gab es zur Eröffnung der Oltner Kabarett-Tage einen besonderen Leckerbissen: Max Uthoff, ein virtuoser Meister der präzisen Sprache. Mit atemberaubender Sprechgeschwindigkeit und rhetorischer Brillanz zog er das Publikum in seinen Bann. Sein Programm ist fordernd, intellektuell und schnell – und politisch ganz klar links ausgerichtet. So mündete der Abend in einem Plädoyer gegen den Kapitalismus und die Auswüchse der Globalisierung. Dass seine Abrechnung mit dem Kapitalismus und der herrschenden Klasse höchst unterhaltsam ausfiel, lag mitunter daran, dass Uthoff sich auch selbst auf den Arm nahm.

Beeindruckt mit Scharfsinn hat ebenfalls der Vater des Cornichon-Preisträgers, Reiner Uthoff, der die Laudatio hielt. Er bestätigte, dass es in der DNA der Uthoffs liegt, politische Überzeugungen durch Satire zu vermitteln – und Forderungen zu stellen. Zum Beispiel, dass es an der Zeit sei, nach Elsie Attenhofer im Jahr 1988 wieder einmal einer weiblichen Einzelakteurin die Ehre als Cornichon-Preisträgerin zukommen zu lassen. Eine Forderung, die viel Applaus erntete.

Der heimliche Star des Abends war jedoch eine stumme Klangschale. Sie fing auf der Bühne das Wasser auf, das aus der lecken Sprinkleranlage tropfte. Die Protagonisten des Abends, zu denen auch der Präsident des Kantonalen Kuratoriums für Kulturförderung, Christoph Rölli, zählte, wussten diese Panne mit einer gewissen Symbolkraft für Olten, wo wegen des fehlenden Budgets derzeit auch im Kulturbereich gespart wird, genüsslich in ihre Auftritte einzubauen. Doch was kann es eigentlich Besseres geben, als dass der Durchführungsort selber für Kabarett sorgt? Olten hat sich damit als die wahre Kabarett-Hauptstadt der Schweiz bewiesen. Tropf, tropf, tropf.

nuetzi.beat@chmedia.ch

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Autor

Beat Nützi

Beat Nützi

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