Persönlich

Nur das Spiel, bitte!

Analysen machen nur nach, und nicht vor dem Spiel Sinn.

Analysen machen nur nach, und nicht vor dem Spiel Sinn.

Neulich bin ich auf Wikipedia durch die Titel des nationalen Blätterwaldes gestreift und bei der «Roten Anneliese», einer Zeitung aus dem Oberwallis, hängen geblieben. Ich kannte sie zwar vom Hörensagen. Aber was ich nicht wusste: Deren Name leitet sich angeblich vom Begriff «Rote Analyse» ab. Da fiel mir ein, dass ich mich seit Jahren – vor allem am TV – über Spielanalysen im Sport aufrege, die 20 Minuten vor dem Anpfiff starten, in der Pause ihren Fortgang nehmen und zum Ende des Spiels dem Höhepunkt entgegenstreben. Ganz einfach darum, weil das Resultat bekannt ist und die Spieler vor dem Mikrofon Plattitüden hervorwürgen.

«Nachher ist man immer schlauer.» Selten widerspiegelt ein Sprichwort so konsequent die Wirklichkeit. Nicht nur im Sport. Auch in der Politik. Aber wenigstens erklären Wahl- oder Abstimmungsverlierer jeweils, erst das Resultat analysieren zu wollen, bevor sie definitiv zu einem Schluss kämen. Ebenso eine Plattitüde angesichts der Politauguren, die auch nur Sportreporter sind: Deren Analysen beginnen lange schon vor dem Wahltag.

Weil Politik gelegentlich als Spiel bezeichnet wird, will ich aus Sport und Politik ausschliesslich das eine: Nur das Spiel, bitte! Die Analysen allenfalls nachher. Aber auch nur dann, wenn ich gewonnen habe.

urs.huber@chmedia.ch

Autor

urs huber

urs huber

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