Man kommt schon etwas ins Staunen. Jahrelang lamentierte man bei der Stadt über die Defizite im Rettungsdienst. Jetzt, da man den Betrieb einmal etwas genauer durchleuchtet, findet man plötzlich Einsparungsmöglichkeiten von mehreren hunderttausend Franken.

Das ist ja, für sich gesehen, erfreulich. Es wurde an (vermeintlichen?) Tabus gerüttelt und Posten für Posten wurden auf Einsparungspotenzial geprüft. Fündig wurde man ziemlich oft. Die Erkenntnis, dass man in Grenchen den Gürtel enger schnallen muss, hat sich jedenfalls beim Rettungsdienst schon mal durchgesetzt.

Trotzdem wirft dieser Betrag Fragen auf – sowohl hinsichtlich der Höhe als auch des Zeitpunktes der Einsparungen. Braucht es wirklich immer zuerst den Drohfinger der Politik? Diese hatte den Tarif klar durchgegeben: Wenn keine ausgeglichene Rechnung erzielt wird, sind Verhandlungen mit dem Kanton über eine Integration in die kantonale Struktur aufzunehmen. Das hat offensichtlich gewirkt. Aber erst das.

Die Frage stellt sich jetzt auch, was das bezüglich der anderen Spar-Baustellen der Stadt bedeutet. Kann es sein, dass die Zitrone längst nicht so ausgepresst ist, wie immer wieder behauptet wird? In der Bauverwaltung wurden durch Reorganisation und das Projekt Effibau ansehnliche Einsparungen erzielt. Ein ähnliches Effizienz-Projekt wurde im Stadthaus jetzt aufgegleist. Es ist zu hoffen, dass auch hier substanzielle Verbesserungen möglich sind und nicht bloss Kulissenschieberei betrieben wird.

Allerdings sind Einsparungen in einem Wahljahr schwierig. Denn wer etwas verändern will, exponiert sich und wird leicht zur politischen Zielscheibe. Ein weiterer grosser Wurf wie derjenige beim Rettungsdienst ist deshalb wohl bis auf weiteres nicht zu erwarten. – Wir lassen uns aber auch gerne überraschen.

andreas.toggweiler@azmedien.ch