Kinder kommen nicht nur in Solothurn zur Welt. Wenn also die Solothurner Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler behauptet, Mutterschaftsurlaube seien ein Grund für den jahrelangen Stau bei der Bearbeitung von Hunderten von Ergänzungsleistungs-Gesuchen, leuchtet das nicht ein. Immerhin zeichnen sich Schwangerschaftsabsenzen ab. Und auch der Software-Wechsel erklärt den über Jahre mitgeschleppten Pendenzenberg nicht: In anderen Kantonen kam man mit so etwas klar. Trotzdem werden diese Gründe seit Jahren bemüht.

Das Personal bei den Ergänzungsleistungen war in den vergangenen Jahren massiv aufgestockt worden. Und doch dauerte es über drei Jahre, bis sich – nach Druck aus der Politik und sogar aus Bundesbern – nun eine Besserung abzeichnet. Inzwischen aber mussten Hunderte von Personen,
die mit kleinem Budget kämpfen, warten, bis ihr Gesuch bearbeitet wurde. Einige mussten gar zur Sozialhilfe gehen. Das ist inakzeptabel.

Den Betroffenen und der Öffentlichkeit wäre der Verwaltungsrat schuldig, nochmals über die Bücher zu gehen und eine genauere Analyse vorzunehmen. Nur schon damit ein weiteres solches Chaos nicht mehr passiert. Esther Gassler verspricht, das zu tun, wenn wieder Ruhe eingekehrt ist. Doch warum soll das erst dann geschehen?

In den vergangenen drei Jahren scheint das Prinzip Hoffnung vorgeherrscht zu haben – es wird schon gut kommen. Bei der Analyse darf nicht gelten: Wenn die Situation jetzt schnell besser wird, fragt bald niemand mehr danach. Esther Gassler steht in der Verantwortung, auch wenn das Ende ihrer Amtszeit absehbar ist.

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