Kommentar

Nein, Steuerhöllen sind nicht einfach gottgegeben

«Für alle, die es sich noch nicht bewusst waren und für alle, die es immer wieder verdrängen: Der Kanton Solothurn ist und bleibt eine Steuerhölle», Theodoer Eckert.

«Für alle, die es sich noch nicht bewusst waren und für alle, die es immer wieder verdrängen: Der Kanton Solothurn ist und bleibt eine Steuerhölle», Theodoer Eckert.

Laut einer Studie liegt der Kanton Solothurn bei der Steuerbelastung schweizweit auf dem letzten Platz.

Im Kaffee. Am Nebentisch eine Unterhaltung zum Schmunzeln: Offensichtlich ein Ureinwohner der steuergünstigen Solothurner Nachbargemeinde Feldbrunnen frotzelt zu seinem Gegenüber, er solle doch endlich umziehen. Eben sei eine tolle Wohnung im Haus frei geworden. Damit hätte er Ende Jahr wesentlich mehr Geld im Portemonnaie. Der Angesprochene nickt kurz und meint sarkastisch: «Vergiss es, im Gegensatz zu dir kann ich es mir leisten, in der Stadt Solothurn Steuern zu zahlen.»

Mit einer derartigen Portion Abgeklärtheit reagieren allerdings längst nicht alle, wenn sie die verschiedenen Solothurner Steuerrechnungen im Briefkasten vorfinden. Besonders bitter wird es dann, wenn Vergleichswerte mit andern Kantonen publik werden. So gerade jetzt. Eine aktuelle Studie, der man durchaus glauben kann, dürfte manchem Leser auf den Magen schlagen. Für alle, die es sich noch nicht bewusst waren und für alle, die es immer wieder verdrängen: Der Kanton Solothurn ist und bleibt eine Steuerhölle. Da schmort man selbst nach einem Umzug in eine steuergünstigere Gemeinde des Kantons weiter.

Wie viel dagegen ein Kistenpacken Richtung Innerschweiz bringen würde, rechnen Sie lieber nicht aus. Abgesehen davon, ist dies für die werktätige Bevölkerung eh eine theoretische Rechenspielerei: Haus und Hof, respektive Arbeitsstelle und Freundeskreis befinden sich nun mal am Jurasüdfuss. Und da lebt es sich, Steuerhölle hin oder her, ganz gut. Die Lebensqualität lässt sich nun mal nicht allein mit Franken und Rappen aufwiegen – reden sich Solothurnerinnen und Solothurner bei Steuervergleichen gut zu.

Das Thema auf der Metaebene abzuhandeln ist das eine. Es bleiben jedoch die unschönen Zahlen und Fakten. Die sind alles andere als in Stein gemeisselt. Verschiedene Kantone haben das bewiesen. Vorteile bei den Vermögenssteuern sind zwar nett, dass dagegen der gesellschaftstragende Mittelstand übermässig zu Kasse gebeten wird, ist ausgesprochen störend. Es existieren weitere Schräglagen.

Die Regierung schraubt derzeit an den Unternehmenssteuern. Bisher hat sie nicht überzeugt. Noch geben wir die Hoffnung nicht auf. Auch wenn der Steuerwettbewerb hart ist, viele wünschen sich eine kreativere Steuerpolitik. Wenigstens der Schritt hinaus in die Vorhölle muss das Ziel sein.

theodor.eckert@schweizamwochenende.ch

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