Angefressen. Jawohl, das bin ich. Ab sofort interessiert mich nur noch das Geschehen auf dem grünen Rasen. Mit Ausnahmen. Auf die Feststellung: «Schatz, man sollte den Rasen mähen!» gibts nur eine Antwort: «Ja, nach der WM.» Leider aber dürfte kaum Gras über die Aufforderung wachsen. Und so wird der Rasen wohl auf preussisches Gardemass getrimmt. Damits auch für Jogi Löw stimmt.

Der hat ja schon über die zu hohe Grasnarbe auf dem Trainingsbitz der Deutschen in Russland gelästert. Vorsorgliche Erklärung für schwache Auftritte? Wir werden sehen. Es gibt so viele spannende Fragen in den nächsten vier Wochen. Eine wage ich hier schon zu beantworten: England wird genauso wenig Weltmeister wie Holland oder bella Italia. Obwohl der Union Jack in Russland flattert, im Gegensatz zu Orange und azurro. Aber England machts nicht. Denn diesmal gibts den Videobeweis!

Sorry: für alle nach 1966 Geborenen ein Insiderwitzli. Für die ist Gotti Dienst ein Heimatfilm aus den Vierzigerjahren und das Wembley-Goal – ähmm, was war das schon wieder? Wir sind definitiv bei den WM-Verweigerern angelangt. Ja, bei den Fussball-Hassern. Das Vermeiden der Form «Innen» ist gewollt.

Die Frauen haben mächtig aufgeholt in Sachen Fussball-Begeisterung. Auch wenn sie noch auf Rasenmähen während der WM bestehen. Nein, das Schlimmste sind Männer, die zum «Gränni» werden, weil ihnen wochenlang medial nur noch Fussball geboten wird. Statt der ach so wichtigen Politik beispielsweise. Dabei haben wir Fussballfans monatelange gelitten. Nur noch Energiegesetz, Energiegesetz. Mit Rückpass, Querpass, Fouls und Eigengoals. Da tut ein Platzverweis richtig gut.